Linsenaustausch im Universitätsklinikum Augenarzt Ranking

Femtosekundenlaser-assistierte Kataraktchirurgie

Eine sich rasch weiterentwicklende Methode

Femtosekundenlaser-assistiert Kataraktchirurgie

Ophthalmologe 2014 DOI 10.1007/s00347-014-3031-2 © Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2014

Die Kataraktoperation ist heute die weltweit häufigste medizinische Intervention, jährlich werden etwa 19 Mio. dieser Eingriffe durchgeführt. Nur mit einer einzigen Indikation ist medizinisches Personal noch häufiger beschäftigt: mit dem Geburtsvorgang. Während das Willkommenheißen neuer Erdenbürger oft auch von selbst geht und der Medicus ansonsten allenfalls zur Saugglocke oder Zange greift, die heutzutage nicht viel anders aussieht als jene, die Sir James Young Simpson bei seiner Patientin Queen Victoria bereithielt, ist bei der Bekämpfung der weltweit häufigsten Erblindungsursache, der Katarakt, zunehmend mehr Präzision angesagt. Noch vor nicht allzu langer Zeit berechneten wir diese Akkuratesse in Millimetern, nun setzt sich der Mikrometer zunehmend als Maßeinheit durch: z. B. bei der Kapsulotomie und bei der Linsenfragmentation. Mit dem Femtosekundenlaser, der zunächst in der refraktiven Hornhautchirurgie seine ophthalmologische Premiere hatte und seit 2009 eine immer weitere Verbreitung in der Kataraktchirurgie erlebt, sprechen wir in Größenordnungen wie 3 μm Spotgröße und anatomische Lagebeschreibungen von 5 μm.

Jede neue medizinische Methode, wie allgemein jede neue Technologie, hat zunächst Widerstände zu überwinden, fak­tische wie jene in unseren Köpfen. Als zwischen Nürnberg und Fürth die erste Eisenbahn auf deutschem Boden gebaut wurde, warnten einige unserer damaligen Kollegen, dass die Passagiere niemals die irrsinnige Geschwindigkeit von 30 km pro Stunde überleben würden, weil ihnen der Luftdruck das Atmen verunmöglichen würde. In der Ophthalmologie haben wir reichlich Anschauungsmaterial, wie strikt sich eine Ablehnungsfront darstellen kann: Charles Kelman konnte ein Lied davon singen, nachdem ihm auf dem Stuhl seines Dentisten die Idee gekommen war, den Ultraschall nicht nur zur Entfernung von Zahnstein, sondern zur Linsenzerlegung, der Phakoemulsifikation, zu nutzen. Waren die Kritiker zunächst vereinzelt vom Ultraschall an sich zu überzeugen, so kam doch schnell und mit aller Gewalt das wirtschaftliche Argument: Wer sollte denn 1984 den Gegenwert von 100.000 EUR pro Phakomaschine und von 100 EUR pro Phako-Tip bezahlen? Oder man denke an Sir Harold Ridley. Seine erste Implantation einer Intraokularlinse (IOL) machte ihn für lange Zeit zur Persona non grata unter Fachkollegen – woran sich niemand mehr erinnern mochte, als ihn eine würdige ältere Dame am 9. Februar 2000 3-mal mit einem zeremoniellen Schwert berührte und zu Sir Harold Ridley kürte.

» Das endgültige Urteil über die Rolle des Femtosekundenlasers in der Kataraktchirurgie ist noch nicht gefällt

Diese Hinweise auf Innovationen, die sich gegen Ablehner und mitunter auch Spötter durchsetzten, dürfen den Blick darauf nicht verstellen, dass keineswegs al­lem Neuen eine glänzende Zukunft gebührt – Howard Hughes‘ „Spruce Goose“, das größte je gebaute Flugzeug, hob nur einmal ab, kam auf nur 20 m Höhe und steht heute in einem Museum. Es sind der klinische Alltag, die Erfahrung und Einschätzung durch die Operateure und nicht zuletzt die Zufriedenheit unserer Patienten, die das endgültige Urteil über die Rolle des Femtosekundenlasers in der Kataraktchirurgie fällen werden. Zweifellos kommt die Femtosekundenlasertechnologie mit einigen Herausforderungen daher: dem seltenen Problem des „suction loss“, dem Verlust der Ansaugung, oder der Schwierigkeit, Augen mit enger Pupille zu operieren. Auch werden Patienten mit schweren Hals-, Genick- oder anderen Lagerungsproblemen mit der mo­mentan zur Verfügung stehenden Anordnung, die ein flaches Liegen des Kopfes erfordert, nicht immer der Behandlung zu­gänglich sein. Ein weiterer Aspekt, der von der ophthalmochirurgischen Gemeinschaft dringend und in aller gebotenen Offenheit diskutiert werden muss, ist jener der Sterilität. Genügt es wirklich – wie mancherorts, vor allem in den USA, der Fall – den Laser in einem sog. Rein­raum (engl. „clean room“; ein Euphemismus für „eigentlich unsteril“) zu bedienen und danach den Patienten vielleicht noch über einen längeren Flur in den eigentlichen Operationssaal zu fahren?

Und letztlich wird das pekuniäre Argument ins Feld geführt. Die Anschaffung der Technologie ist teuer, die Instandhaltung ist teuer, und auch das Einmal-Personal-Interface ist teuer. Bislang obliegt die Finanzierung dem Patienten, in aller Regel einem Patienten, der sich für eine Premium-IOL entschieden hat. Wer allerdings diesen Aspekt als wesentlichen Nachteil des Femtosekundenlasers herausstellt, muss daran erinnert werden, dass auch die ersten Blutdruckmessgeräte sehr teuer waren, heute aber nahezu überall für einen sehr erschwinglichen Preis zu erwerben sind.

Im Folgenden werden Sie Beiträge lesen können, die zwischen wissenschaftlich und klinisch begründetem Enthusi­asmus und einer ebenso ehrlichen Skepsis schwanken. Literatur ist eine Form des Erkenntnisgewinns. Klinische Beobachtung ist eine andere – und wie die anderen Autoren würde ich möglichst vielen Leserin­nen und Lesern das eigene Kennenlernen, die persönliche Erfahrung mit dieser faszinierenden und bei Weitem noch nicht ausgereizten Operationsmethode wünschen. H.B. Dick

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