Linsenaustausch im Universitätsklinikum Augenarzt Ranking

IOP - Augeninnendruck bei Glaukom mit Hightech Sensor rund um die Uhr messen

Miniaturisierte Messeinheit für Augeninnendruck kann Patienten mit Grünem Star helfen

Pressemitteilung Universitäts-Augenklinik Bochum, 15.05.2015

Augeninnendruck-IOP-Implantat

Kleiner Hightech-Sensor im Auge

Patienten mit Glaukom, im Volksmund Grüner Star genannt, müssen sich wegen des Hauptrisikofaktors, dem erhöhten Augeninnendruck, regelmäßig beim Augenarzt untersuchen lassen - die Therapie dieser gefährlichen Augenkrankheit besteht in der Senkung des Augendrucks, entweder mit Augentropfen oder einer Operation. Doch die Messung des Drucks, zum Beispiel alle drei Monate in der Praxis des Augenarztes, ist nur eine Momentaufnahme. Dem Traum einer kontinuierlichen Kontrolle ist man jetzt einen großen Schritt näher gekommen: an der Augenklinik des Universitätsklinikums/Knappschaftskrankenhaus Bochum hat man jetzt erste und sehr positive Erfahrungen mit einem Mikrochip gemacht, der in das Auge eingesetzt wird und den Druck registriert - unbelastend für den Betroffenen und mit einer langen Haltbarkeit.

Der Augeninnendruck oder Intraokulardruck (IOD) ist für die geschätzt knapp eine Million Glaukompatienten in Deutschland, Österreich und der Schweiz ein Wert, der ihr Leben bestimmt - wie der Blutzucker beim Diabetiker, der Blutdruck beim Hypertoniker und das Bild des EKG bei Menschen mit Herzrhythmusstörungen. Der Augeninnendruck muss gut eingestellt sein - in aller Regel auf Werte unter 20 mmHg - um eine Schädigung des Sehnerven zu verhindern, dem typischen Schaden beim Glaukom, der unbehandelt zur Blindheit führen kann. Augenärzte haben in den letzten Jahren nachgewiesen, dass bei vielen Menschen mit Grünem Star der IOD stark schwankt, vor allem nachts, und dass zur Beurteilung, ob eine Therapie erfolgreich und der Druck stabil ist, eigentlich mehr Messungen notwendig wären als in der Praxis üblich - ebenfalls: vor allem nachts.

Mit einem Mikrosensor ist dies jetzt möglich geworden. Das kleine, kaum erbsengroße Implantat wurde, wie Professor Dr. Burkhard Dick, der Direktor der Bochumer Universitäts-Augenklinik mitteilte, bei mehreren Patienten eingesetzt, die sich einer Operation des Grauen Stars unterzogen haben. Bei dieser altersbedingten Trübung der Linse - Vorsicht: Verwechslungsgefahr mit dem viel tückischeren Grünen Star! - wird diese entfernt und durch eine Kunstlinse ersetzt. Im Auge ist genügend Platz für den kleinen Sensor mit der Bezeichnung Pro IOP, der drahtlos die von ihm praktisch ununterbrochen gemessenen Augendruckwerte telemetrisch an einen externen Datenspeicher liefert, den der Augenarzt auswerten kann. "Mit dieser neuen, nicht invasiven und berührungsfreien Methode kommen wir," so resümiert Burkhard Dick, "den Schwankungen des Augendrucks endlich auf die Spur.

Wir können jetzt über 24 Stunden analysieren - ohne dass der Patient im Geringsten davon gestört wird - ob die Therapie, also in aller Regel drucksenkende Augentropfen, ausreicht. Bislang mussten für solche 24-Stunden-Messungen die Patienten stationär aufgenommen werden und wurden zu nächtlichen Zeiten vom diensthabenden Arzt zur Messung geweckt - mehrfach! Jetzt verläuft die Druckkontrolle unbemerkt, ist quasi Teil des Alltags."

Dick erwartet, dass man den Mikrosensor auch in anderem Zusammenhang als mit einer Operation des Grauen Stars implantieren wird. Schon jetzt zeichnet sich eine einfache Form der Datenübermittlung an den Augenarzt ab: vom Augeninneren des Patienten direkt auf das Smartphone.