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Amotio (Die Netzhautablösung)

Bei einer Amotio (Netzhautablösung) sollte schnell einen Augenarzt aufgesucht werden.

Für den Betroffenen ist es meist ein erschreckendes Erlebnis: auf einem Auge werden Blitze oder das plötzliche Auftreten dunkler Wolken bemerkt; binnen kurzer Zeit kann die Sehschärfe des befallenen Auges rapide nachlassen oder sich ein Teil des Gesichtsfeldes ganz verdunkeln. Wer solche Symptome bemerkt, sollte schleunigst einen Augenarzt - am Wochenende auch im Notdienst - aufsuchen: es wird sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um eine Netzhautablösung handeln.

Die Netzhautablösung oder, wie sie in der medizinischen Fachsprache heißt, AmotioAmotio - Netzhautablösung in schematischer Darstellung retinae, ist ein einschneidendes Ereignis. Eine Amotio betrifft eine der wichtigsten - vielleicht gar die wichtigste - Strukturen im Inneren des Auges, eine Amotio muss stets chirurgisch behandelt werden. Erfreulich indes: mit den heutigen mikrochirurgischen Möglichkeiten der modernen Augenheilkunde kann in vielen Fällen eine Amotio so gut behoben - man kann ruhig sagen: repariert werden - dass der Patient wieder ein gutes oder gar ein volles Sehvermögen bekommt. Und anders als früher muss heute eine Amotio meist nicht ganz unmittelbar, also ggf. noch mitten in der Nacht operiert werden - Expertise des Operateurs und gute Ausstattung der Augenklinik scheinen vor Schnelligkeit zu gehen.

Eine Netzhaut kann sich total von ihrer Unterlage abheben oder sie kann nur in einem Teil die Haftung verloren haben. Auch kann es zu einer Ablösung von nur einzelnen Schichten der Netzhaut kommen - ein Beispiel hierfür ist die Pigmentepithelablösung. Zur Abhebung dieser feinen Schicht kann es bei Einlagerungen von Flüssigkeit unter die Netzhaut kommen, wie dies bei der feuchten Form der altersabhängigen Makuladegeneration (AMD) geschieht, auf die an anderer Stelle eingegangen wird. In vielen Fällen geht eine Amotio auf einen Netzhauriss oder ein Netzhautloch zurück. Solche Löcher können über Jahre bestehen und asymptomatisch sein. Wenn sie bei einer augenärztlichen Untersuchung, typischerweise mit der Ophthalmoskopie, festgestellt werden, kann man sie mit Laser behandeln: rund um das Loch werden mehrere Reihen von Laserherden gesetzt, welche die Netzhaut regelrecht festschweißen und eine Ablatio (ein anderer Ausdruck für Amotio) verhindern. Aus diesem Grund sollten sich gefährdete Personen regelmäßig beim Augenarzt untersuchen lassen, damit solche Risikofaktoren erkannt und präventiv angegangen werden.

Doch wer ist gefährdet eine Amotio zu erleiden? In erster Linie müssen hier kurzsichtige Menschen genannt werden, vor allem jene mit einer höheren Kurzsichtigkeit (Myopie) von minus 4 Dioptrien und mehr. Mitbürger, die ein Trauma des Auges erlitten haben (zum Beispiel den Aufprall eines Sektkorkens oder eines Tennisballs auf das Auge, freilich auch die Faust eines unfreundlichen Zeitgenossen) können ebenfalls eine Amotio bekommen und auch bei Menschen mit einem sogenannten PEX-Glaukom ist die Häufigkeit von Netzhautablösungen deutlich erhöht. Ferner haben auch jene Menschen ein erhöhtes Risiko, eine Amotio zu bekommen, an die sich diese Website in erster Linie richtet: Patienten, die sich am Grauen Star haben operieren lassen, mit Augenlasern oder mit herkömmlichen Operationsmethoden. Eine große dänische Studie an mehr als 200.000 kataraktoperierten Patienten hat nachgewiesen, dass mit einer Intraokularlinse versorgte ("pseudophake") Patienten ungefähr viermal so häufig eine Amotio bekommen wie Gleichaltrige, die sich nicht oder noch nicht einer Kataraktoperation unterzogen haben. Als Ursachen der Amotio in kataraktoperierten Augen werden seit längerem die OP an sich und langfristige Umbauvorgänge im Glaskörper des älteren, linsenoperierten Patienten vermutet - wahrscheinlich ist es eine Kombination von beiden. Kataraktoperierte Patienten sollten daher die eingangs geschilderten Symptome, die auf eine Amotio hinweisen können - aber nicht müssen - besonders beachten.

Es wurde schon angedeutet: selbst wenn es zu einer Amotio kommt, ist dies kein Weltuntergang. Die Glaskörper- und Netzhautchirurgie ist heute auf einem hohen Stand und in hochinnovativ ausgestatteten Zentren wie der Universitätsaugenklinik/Knappschaftskrankenhaus Bochum sind die funktionellen Erfolgsraten nach solchen Eingriffen hoch. Eine hochmoderne Methode ist die minimalinvasive Vitrektomie (23G oder 25G), bei der drei feine Instrumente in das Auge eingebracht und Teile des Glaskörpers entfernt werden, sowie die Netzhaut mit einem sogenannten Endolaser wieder zur Anlage gebracht wird. Häufig wird nach diesen Eingriffen eine künstliche Glaskörperfüllung erfolgen, zum Beispiel mit Gas oder Silikonöl. Nicht selten muss der Patient dann für ein paar Tage eine bestimmte Lagerung einnehmen (zum Beispiel primär auf dem Bauch, je nach Lage der Amotio), bis die Netzhaut wieder fest dort verhaftet ist, wo sie hingehört.