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Nystagmus

Als Nystagmus wird ein unkontrollierbares rhytmisches Augenzucken bezeichnet

Ein bemerkenswertes Phänomen an unserem wichtigsten Sinnesorgan, dem Auge, ist dessen unwillkürliche und nicht kontrollierbare Bewegung. Ein rhyhtmisches Augenzucken wird als Nystagmus bezeichnet.

Was uns beim Blick in die Augen eines Mitmenschen irritieren mag, das schnelle und unwillkürliche Augenzittern, kann harmlos sein - oder auch nicht. Der Nystagmus ist eine ganz natürliche, normale Reaktion auf einen optischen Reiz: wenn das Auge nämlich schnelle Bewegungen vollführen muss. Das Auge und die dieses Sinnesorgan steuernde höhere Instanz, das Gehirn, streben danach, das von uns fixierte Objekt stets im Fokus der Stelle des Schärfsten Sehens unserer Netzhaut, der Fovea, zu halten. Was aber passiert, wenn sich die angeblickten Objekte relativ zu Netzhaut, relativ zur Fovea bewegen? Die gute, alte Eisenbahn ist der beste Ort, das zu überprüfen. Ein Mitreisender, der aus dem Fenster blickt, wird - eine höhere Geschwindigkeit des ICE vorausgesetzt - einen auffallenden Nystagmus haben: seine Augen versuchen permanent, die an ihm vorbeirauschenden Objekte zu fixieren; die Schlagrichtung des Nystagmus wird von der Geschwindigkeit des Zuges mitbestimmt.

Nicht jeder Nystagmus ist so harmlos - leider. Es gibt eine Reihe von Erkrankungen des Hirnstamms und des Kleinhirn, die sich in Form eines Nystagmus äußern. Und auch der Mensch selber kann sich etwas antun, was einen Nystagmus auslöst: bestimmte Drogen wie zum Beispiel Extasy verursachen einen Nystagmus als Folge eines von der Droge gestörten Gleichgewichts zwischen den Wahrnehmungen durch die Augen und jenen des im Ohr lokalisierten Gleichgewichtsorgans.

Der Augenarzt wird auf einen Nystagmus besonders bei einer Patientengruppe aufmerksam: bei Kleinkindern. Bei Babys kann es einen angeborenen Nystagmus geben, der harmlos ist. Sind die Kinder etwas größer, kann der Nystagmus darauf hinweisen, dass sich die Sehfunktion nicht altersgerecht entwickelt. Der Nystagmus kann auf eine beginnende Schwachsichtigkeit hinweisen und eine der wichtigsten Ursachen für diese in der Fachsprache "Amblyopie" genannte Entwicklungsstörung des Auges ist ein Strabismus, ein Schielen. Im Kleinkindesalter ist der Nystagmus ein ernst zu nehmender Anlaß, um nach einer Ursache zu suchen und diese so rechtzeitig behandeln, dass eine bleibende Sehschwäche weitgehend verhindert wird - was im Falle eines Strabismus bedeutet: Vorstellung in einer Sehschule und Beginn einer Therapie des Strabismus, ggf. bis hin zu einer Schieloperation.

Steht bei einem älteren Mitbürger, der einen Grauen Star entwickelt hat, aber seit Kindertagen einen Nystagmus hat, dieser einer modernen Kataraktoperation, also z.B. dem Augenlasern entgegen? Gerade die jüngste Innovation der Kataraktchirurgie, der Einsatz des Femtosekundenlasers, hat sich in der Behandlung von Menschen mit Nystagmus als außerordentlich hilfreich erwiesen. Bei jenen entscheidenden Schritten des Eingriffs, die vom Femtosekundenlaser ausgeführt werden, kann dessen schnelle und hochpräzise Arbeitsweise die potentiell von einem Nystagmus herrührenden Probleme in den Griff bekommen. Das sogenannte Interface des Lasers, das Verbindungsstück zwischen Lasereinheit und Auge, sorgt für eine feste Fixierung. Diejenigen Teile der Kataraktoperation, die der Laser ausführt, die Kapseleröffnung und die Linsenfragmentation, erfolgen ohne dass der Nystagmus in irgendeiner Weise stören kann. Dass die anschließende restlose Entfernung der zerlegten Linse dank der Vorarbeit des Femtosekundenlasers in den meisten Fällen ohne die Applikation von Ultraschallenergie erfolgt, ist gerade bei diesen Augen, die schon einiges durchgemacht haben, ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einer schonenderen Kataraktchirurgie.