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Vitrektomie

Mit einer Vitrektomie können heute auch ausgedehnte pathologische Prozesse an Netzhaut und Glaskörper erfolgreich behandelt werden

Vitrektomie - Behandlung bei Glaskörpertrübungen

Die Linse ist nicht der einzige Organteil im Auge, der Trübungen entwickeln kann. Glaskörpertrübungen sind ein weit verbreitetes Phänomen - und im Gegensatz zur Katarakt weniger altersabhängig. Der Glaskörper ist die an ein Gelee erinnernde Füllung des Augapfels, der Glaskörperraum beginnt hinter der Linse und wird zur anderen Seite hin von der Netzhaut und den unter ihr liegenden Schichten, der Aderhaut und der Lederhaut, begrenzt. Glaskörpertrübungen können harmlos sein - wie zum Beispiel, die Mouches volantes, die "fliegenden Mücken", die viele Menschen, vor allem Kurzsichtige, vor einem hellen Hintergrund wahrnehmen. Glaskörpertrübungen können indes auch krankhaft und eines der Symptome einer Retinopathie sein, einer Beteiligung der Netzhaut an einer systemischen Erkrankung wie beispielsweise einem Diabetes mellitus. Was immer die Ursache von pathologischen Glaskörpertrübungen sein mag - Augenärzte haben effektive Therapiemöglichkeiten, denn die Glaskörperchirurgie hat sich ähnlich rasant entwickelt wie die Kataraktchirurgie.

Mit einer Vitrektomie, einem glaskörperchirurgischen Eingriff, durchgeführt in einer spezialisierten Augenklinik unter dem OP-Mikroskop und meist in örtlicher, bei bestimmten Indikationen auch in allgemeiner Anästhesie, können heute auch ausgedehnte pathologische Prozesse an Netzhaut und Glaskörper erfolgreich behandelt werden. In den USA werden auf Wunsch übrigens sogar die "fliegenden Mücken", die harmlosesten Glaskörpertrübungen, per Vitrektomie operiert - das erscheint uns in Deutschland noch etwas übertrieben. Denn so perfektioniert die Vitrektomie auch ist, auf die sprichwörtliche leichte Schulter sollte man einen glaskörperchirurgischen Eingriff nicht nehmen. Je nach Indikation, nach der Schwere der Ursache von Glaskörpertrübungen oder anderen Symptome, werden bei einer Vitrektomie Teile des Glaskörpers entfernt oder dieser vollständig aus dem Auge ausgeräumt. Zur Durchführung einer Vitrektomie werden mehrere kleine Zugänge geschaffen; diese Zugangsschnitte, über welche die Instrumente zu einer Vitrektomie in den Glaskörperraum eingeführt werden, sind zwischen 0,9 und 0,4 mm klein (23 oder 25 Gauge). Heute ist auch 27 Gauge möglich, dabei ist die Öffnung nur noch ein fünftel so groß wie früher. Anstelle des entfernten Glaskörpers werden bestimmte Gase (z.B. Schwefelhexafluorid) oder Flüssigkeiten wie zum Beispiel hochgereinigtes Silikonöl eingeführt. Die wichtigste Konsequenz einer ansonsten erfolgreichen Vitrektomie an einem Auge, das noch über eine natürliche Linse verfügt: diese wird schneller als unter normalen Umständen eintrüben; die Katarakt bildet sich oder schreitet nach Vitrektomie schnell fort. Dieser Umstand ist einer von zahlreichen Gründen, warum eine Vitrektomie - wenn diese durch Glaskörpertrübungen oder Netzhauterkrankungen indiziert ist - günstigerweise in einer Sitzung zusammen mit einer Katarakt durchgeführt werden sollte.

Glasköpertrübungen und Grauer Star in einer OP 

Bei einer mit der Kataraktoperation kombinierten Vitrektomie ist nur ein OP-Termin, nur eine lokale Anästhesie, nur eine (minimalinvasive) Eröffnung des Augapfels von Nöten. Zunächst erfolgt die Linsenchirurgie in gewohnter Weise mit einem Unterschied: die Hinterkapsel der Linse wird zur Verhinderung eines Nachstars mitunter weiträumig ausgeschnitten. Bei der Vitrektomie werden im allgemeinen drei Instrumente ins Auge eingebracht: eine Infusion zur Tonisierung, eine endoskopische Lichtquelle und ein Instrument wie zum Beispiel ein zur Entfernung von Glaskörpermaterial konzipiertes Vitrektom. Das Vorgehen hängt von der Grunderkrankung ab. Wenn die Glaskörpertrübungen auf Blutungen zurück zu führen sind, werden diese sich organisierenden Blutreste sorgfältig entfernt. Zu Glaskörpertrübungen aufgrund einer Einblutung des Glaskörpers kommt es oft im Rahmen einer diabetischen Retinopathie. Während der Vitrektomie wird in diesem Fall die Netzhaut mit einem Endolaser so koaguliert, wie es in der Behandlung diabetischer Netzhautbeteiligungen sonst mit einem Laser von extern erfolgen würde. Eine andere Manifestation der Retinopathie ist die Neubildung von Membranen wie die sogenannten epiretinalen Gliosen. Diese können nicht nur Glaskörpertrübungen verursachen, sondern auch eine manchmal deutliche Reduktion der Sehschärfe. Im Rahmen einer Vitrektomie in Ergänzung zu einer Kataraktoperation werden diese Membranen mit einer feinen Mikropinzette und einer ebenfalls miniaturisierten Schere sorgfältig von ihrer Unterlage abgelöst und aus dem Auge entfernt - der Patient bemerkt in diesen Fällen nach der Vitrektomie meist schnell eine verbesserte Sehschärfe.

Eine weitere Indikation für eine Vitrektomie in Verbindung zu einer Kataraktoperation ist gegeben, wenn bei dem Patienten Netzhautlöcher vorliegen. Diese gilt es - ebenfalls mit dem Endolaser während der Vitrektomie - zu verschließen, um dem Patienten eine mögliche spätere Netzhautablösung zu ersparen. Die Erfolgsaussichten der kombinierten Operation sind gut - allerdings muss der Patient im Vergleich zu einer reinen Kataraktoperation mehr Vorsicht walten lassen. Je nach Art der Auffüllung (manchmal wird der Glaskörper durch Flüssigkeiten, in anderen Fällen durch Gase ersetzt) sind körperliche Betätigungen, schweres Heben und Sport für eine längere Zeit erst einmal nicht angesagt.

Letzte Änderung: 15.06.2017
Grauer Star lasern - Augenklinik Bochum