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Gerstenkorn

Gerstenkorn (med. Hordoleum) - Die Schwellung eines Augenlids entsteht oft durch eine Entzündung in Folge einer verstopften Pore

Die Augenlider haben mehrere Funktionen: sie schützen das Auge, indem sie sich reflexartig schließen, wenn Gefahr droht. Und sie sorgen nicht nur mit einem regelmäßgen Lidschlag dafür, dass sich der Tränenfilm - die dünne Flüssigkeitschicht auf der hochsensiblen Hornhaut - gut verteilt; sie tragen auch zu diesem Tränenfilm bei. In den Lidern sitzen Drüsen, nach einem Anatomen aus dem 17. Jahrhundert Meibom-Drüsen genannt, die einen Teil des Tränenfilms - seinen fetthaltigen Bestandteil - produzieren. Wenn die Ausführungsgänge dieser ca. 20 bis 30 kleinen Drüsen, die an der Lidkante münden, verstopft sind, kann dies zum Beschwerdebild des Trockenen Auges führen oder zumindest beitragen.

Eine Verstopfung und/oder Infektion des Augenlids bzw. dieser Drüsen kann indes auch zu einem häufigen Krankheitsbild führen: dem GerstenkornGerstenkorn am rechten Augenlid, in der medizinischen Fachsprache Hordeolum genannt. Ein Gerstenkorn fängt zunächst eher harmlos an, mit einer kleinen, oft erst gar nicht bemerkten Schwellung der Lidkante. Doch die Symptome können schlimmer werden: die Schwellung nimmt zu und zeigt deutliche Zeichen einer Entzündung. Das Gerstenkorn ist rot, schmerzt (besonders auf Druck mit dem Finger) und kann schließlich so stark anschwellen, dass das Öffnen des Auges schwer fällt - und natürlich sieht ein Gerstenkorn aus kosmetisch nicht gerade schön aus.

Verursacher des Gerstenkorns sind Erreger, vor allem die Bakterienarten Staphylokokken und Streptokokken. Diese sind bei manchen Menschen geradezu chronisch am Lidrand angesiedelt: wenn eine Lidrandentzündung, eine Blepharitis, vorliegt. Oft bleibt das Geschehen beim Gerstenkorn nicht auf den Lidrand beschränkt; begleitend kann eine Bindehautentzündung hinzu kommen, die das ganze Auge - und nicht nur das Lid - rot erscheinen lässt. Manchmal kann ein Gerstenkorn regelrecht platzen, wenn man mit den Fingern Druck ausübt (was allerdings weh tun kann); der Eiter, der das Gerstenkorn hat anschwellen lassen, spritzt dann hervor.

Ein Gerstenkorn wird zwar häufig mit sogenannten Hausmitteln behandelt, von denen einige sinnvoll, andere hingegen nicht hilfreich sind. Trockene Wärme (Rotlicht) soll beispielsweise helfen. Völlig daneben liegt man, wenn man dem Gerstenkorn mit Kamillekompressen zu Leibe rückt. Diese helfen in der Regel nicht nur nicht, Kamille kann am Auge teilweise schwere Ekzeme auslösen. Man sollte daher auf Nummer Sicher gehen und einen Augenarzt aufsuchen. Dieser wird den Lidrand genau untersuchen (und in seltenen oder schwierigen Fällen vielleicht gar einen Abstrich von der Lidkante für eine mikrobiologische Untersuchung vornehmen) und dann eine adäquate Therapie einleiten. Das wichtigste Standbein der Behandlung sind Antibiotika, um die Erreger des Gerstenkorns zu eliminieren. Diese Wirkstoffe können in Form von Augentropfen oder Augensalbe gegeben werden - manche Patienten mögen die Salbe nicht so sehr, da sie das Auge doch ein wenig "verschmiert". Bei einem besonders hartnäckigen oder sehr schmerzhaften Gerstenkorn wird sich der Augenarzt möglicherweise veranlasst sehen, für einen Austritt des Eiters zu sorgen, indem er eine kleine Inzision vornimmt, so dass der Druck entweicht. Die Symptome lassen dann bald sehr schnell nach.

Ein Gerstenkorn ist stets lästig, aber es ist keineswegs immer harmlos. Es ist und bleibt ein Eiterherd im menschlichen Körper und wie jede Infektion kann sich auch diese ausbreiten. So kann es lokal zu einer Abszessbildung kommen oder gar - wohl die schlimmste Folge eines Gerstenkorns - zur Ausstreuung der Erreger in Richtung Gehirn, wo sie eine Meningitis - und damit ein lebensbedrohendes Leiden - verursachen können. Wenn ein Patient immer wieder aufs Neue ein Gerstenkorn bekommt, kann dies ein Hinweis darauf sein, dass mit dem Immunsystem des Körpers etwas nicht in Ordnung ist. Wer ständig von Gerstenkörnern geplagt wird, sollte sich auf das Vorliegen eines Diabetes mellitus untersuchen lassen.

Vom Gerstenkorn ist das Hagelkorn (Chalazion) zu unterscheiden. Diese Schwellung im Bereich der Drüsen des Lidrandes wird weniger durch Erreger, als vielmehr durch eine Abflussstörung des Drüsensekrets verursacht. Im Gegensatz zum Gerstenkorn ist es keine akute bakterielle Entzündung, sondern eine chronische, zur Abkapselung neigende Erkrankung. Man wird eine Applikation von Wärme versuchen, um das Sekret zu verflüssigen und damit zur Abschwellung beizutragen. Sehr häufig indes muss ein Hagelkorn von einem Augenarzt in einer kleinen, unter lokaler Betäubung durch einen Augenarzt durchgeführten Intervention eröffnet und die Verkapselung entfernt werden.