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Hornhauttransplantation - Keratoplastik

Hornhauttransplantation - medizinischer Fachbegriff: Keratoplastik

Am 7. Dezember 1905 schrieb der österreichische Augenarzt Eduard Zirm Medizingeschichte: in Olmütz (heute Tschechische Republik) übertrug er einem nach Kalkverätzung auf beiden Augen erblindeten Arbeiter die klaren Hornhäute eines elfjährigen Jungen, dessen Augen durch eine Verletzung zerstört waren, wobei die Hornhäute intakt blieben. Es war die erste erfolgreiche HornhauttransplantationTransplantation der Hornhaut, die erste Keratoplastik - ohne Operationsmikroskop, ohne Kenntnis der Immunologie und damit der möglichen Abstossungsreaktionen und ohne Antibiotika zur Infektionsprophylaxe. Dennoch: der Patient konnte zumindest auf einem Auge wieder sehen.

Mehr als einhundert Jahre später ist die Hornhauttransplantation - medizinischer Fachbegriff: Keratoplastik- ein Eingriff, der zwar recht invasiv ist (zumindest für die Verhältnisse eines "zarten" Faches wie der Augenheilkunde), der aber gute Erfolgsaussichten bietet. Indikationen für eine Keratoplastik sind unterschiedliche Erkrankungen der Hornhaut: dabei kann es sich um starke Eintrübungen der Hornhäute nach Verletzungen oder Verätzungen handeln wie bei beim ersten Patienten 1905, um Trübungen als Folge einer Hornhautdegeneration (die oft genetisch bedingt ist) oder auch bei einem fortgeschrittenen Keratokonus.

Die perforierende Keratoplastik ist die umfassendste Art einer Hornhauttransplantation. Die Augenklinik, die diesen Eingriff anbietet, wird idealerweise mit einer Hornhautbank zusammen arbeiten, in welcher Spenderhornhäute gelagert sind. Für den Erfolg der Hornhauttransplantation ist es ganz entscheidend, dass das Immunprofil vom Empfänger (das sind die sich einer Keratoplastik unterziehenden Patienten) und Spender (die Verstorbenen, die ihre Hornhäute posthum zur Verfügung stellen) sich so weit wie möglich ähnelt, dass das Transplantat also "gematcht" ist. Bei dem Eingriff, die in Lokalanästhesie oder Narkose stattfinden kann, wird ein Scheibchen der Hornhaut des Patienten ausgestanzt (Trepanation) und ein vergleichbar großes vom Spender eingesetzt und mit sehr dünnen Fäden fest genäht. Die Hornhauttransplantation bedarf einer aufwändigen Nachsorge. In den Wochen und Monaten nach einer Keratoplastik muss der Patient täglich Augentropfen einträufeln, die eine Entzündung unterdrücken; nicht selten müssen auch systemisch (in Tablettenform) Medikamente zur Prävention einer Abstoßungsreaktion eingenommen werden - diese unerwünschte Immunantwort ist die gefürchtetste Komplikation nach einer Hornhauttransplantation. Nach einigen Monaten werden die kleinen Fädchen aus dem Auge entfernt; zu diesem Zeitpunkt sollte das Transplantat im Idealfall klar sein und der Patient wieder ein gutes, vielleicht sogar ein sehr gutes Sehvermögen haben.

Oft muss es keine perforierende Keratoplastik sein, eine begrenzte Hornhauttransplantation kann möglicherweise auch helfen. Mit verfeinerten operativen Techniken ist es in den letzten Jahren möglich geworden, bei Erkrankungen, die nur eine bestimmte Hornhautschicht - wie das nach innen, der Vorderkammer zugewandt liegende Endothel - betreffen, eben nur diese zu transplantieren. Im Rahmen einer solchen Descemet stripping endothelial keratoplasty (DSEK, mit etwas Hornhautstroma) oder Descemet membrane endothelial keratoplasty (DMEK, ganz ohne Hornhautstroma) wird lediglich das Endothel samt Descemet-Membran durch eine kleine Öffnung in die Vorderkammer eingebracht und nach Entfernung der entsprechenden Schicht beim Empfänger von hinten dem Hornhautstroma, also der mittleren Schicht der eigenen Hornhaut angelegt. Dieses bleibt ebenso wie das Epithel (die äußere Zelllage) bestehen, das Auge wird also nur minimal eröffnet. Die Methode eignet sich für pathologische Prozesse, die auf das Endothel beschränkt sind wie die Fuchs-Dystrophie (auf die wir an anderer Stelle dieser Website eingehen) und die bullöse Keratopathie. In einer der bislang größten Multizenterstudien zur DMEK mit 18 teilnehmenden Ophthalmochirurgen aus 11 Ländern und 275 operierten Augen wurde gerade berichtet, dass der Eingriff funktionell insgesamt recht erfolgreich war: bei 93,8% der mit dieser begrenzten Form der Hornhautübertragung operierten Augen kam es zu einer Verbesserung der Sehschärfe. Postoperativ war die Ablösung des nur wenige Mikrometer dünnen Transplantates die häufigste Komplikation - das Scheibchen wird während des Eingriffes mit hinter das Transplantat injizierter Luft an die Hornhaut gepresst. Ein neues Anlegen mit einer abermaligen Luftinjektion ("Re-bubbling") ist indes kein Problem.