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Hornhautdystrophie

Am Endothel gibt es die Hornhautdystrophie: Cornea guttata

Die Hornhaut, sozusagen das Fenster des Auges, seine äußerste lichtbrechende Schicht, besteht aus 5 Zelllagen - von außen nach innen: das Epithel, die Bowman-Membran, das Stroma, die Descemet-Membran, das Endothel. Das Epithel ist extrem empfindlich, vielleicht sogar der sensibelste Teil des menschlichen Körper - wer schon einmal einen Fremdkörper auf der Cornea (so der Fachbegriff für die Hornhaut) hatte, wer schon einmal einen Fingernagel oder die Spitze einer dekorativen Yucca-Palme ins Auge bekommen hat, kann davon berichten - Epithelläsionen sind sehr schmerzhaft. Das Stroma nimmt den grössten Anteil der Hornhaut ein; die hinterste corneale Schicht, das Endothel, hat eine wichtige Ernährungs- und Pumpenfunktion. Nach der Operation eines Grauen Stars, einer Katarakt, nimmt die Zelldichte in dieser Schicht leicht ab - mit modernen und schonenden Operationsverfahren indes in so geringem Maße, dass in den allermeisten Fällen hier keine Komplikationen zu befürchten sind.

Eines haben alle 5 Schichten der Cornea gemeinsam: sie können an einer Hornhautdystrophie leiden. Bei einer Dystrophie handelt es sich um eine degenerative Veränderung, bei der meist Materialien (Fett, Wasser, Ablagerungen) sich in Organteilen sammeln, wo sie nicht hingehören. In der Kornea, deren Funktionieren - und mit ihm unsere Sehkraft - davon abhängt, dass alle Schichten transparent sind, führt eine Hornhautdystrophie fast immer zu einer Verschlechterung des Sehens - denn bei allen Arten der Hornhautdystrophie wird der Augenarzt Einlagerungen, Trübungen entdecken, die störend sind und den Betroffenen verschwommen sehen lassen.

Es gibt so viele Hornhautdystrophien, dass selbst ein Augenarzt sie kaum problemlos alle aufzählen könnte. Glücklicherweise sind Hornhautdystrophien insgesamt recht selten. Viele Hornhautdystrophien tragen Eigennamen - jener Ärzte, die sie entdeckt oder zuerst beschrieben haben und die damit Eingang in die medizinische Fachsprache gefunden haben (eine besondere Form der Unsterblichkeit). Etwas anderes noch haben die meisten Hornhautdystrophien gemeinsam: die Anlage, an ihnen zu erkranken, ist meist erblich bedingt; die Mehrzahl folgt dem autosomal-dominanten Erbgang. Eine das Epithel betreffende Hornhautdystrophie trägt beispielsweise den Namen Meesmann - sie ist durch kleine Zysten und Bläschen gekennzeichnet und dadurch, das die eingangs erwähnte hohe Sensibilität des cornealen Epithels oft herabgesetzt ist. Eine andere Dystrophie des Epithels trägt den Namen von Herrn Cogan - und die zusätzliche, dem Englischen entstammende Bezeichnung Fingerprint-Dystrophy, da bei ihr Linien zu sehen sind, die an Fingerabdrücke erinnern. Im Stroma der Hornhaut tritt die sogenannte bröckelige Hornhautdystrophie auf, bei der es zu massiven Ablagerungen kommen kann - so ausgeprägt, dass eine Keratoplastik, eine Hornhauttransplantation, notwendig werden kann. Ein solcher Eingriff kann übrigens auch notwendig werden, wenn die Hornhaut zwar zunächst noch klar, jedoch von einer ungewöhnlichen, geradezu krankhaften Form, einer Wölbungsanomalie ist, dem Keratoconus.

Am Endothel schließlich kann es zu der an anderer Stelle beschriebenen Fuchs-Dystrophie sowie zu einem anderen Leiden kommen: der Cornea guttata. Auch die Cornea guttata ist eine vererbte (hereditäre) Hornhautdystrophie. Bei ihr sind die Endothelzellen nicht nur in ihrer Funktion, sondern auch in ihrem Aussehen gestört: für den Augenarzt, der sie mit seinen Instrumenten betrachtet, sieht die Descement-Membran samt Endothel aufgrund von Ablagerungen von Stoffwechselprodukten aus wie "gehämmertes Metall". Die Symptome, die der Patient wahrnimmt, sind typischerweise verschwommenes Sehen und eine erhöhte Blendempfindlichkeit, Schmerzen bereitet eine Guttata hingegen kaum.
Für die Kataraktoperation und das Augenlasern ist bedeutsam, dass es an der Universitätsaugenklinik/Knappschaftskrankenhaus Bochum in einer wissenschaftlichen Studie nachzuweisen gelang, dass der Einsatz des Femtosekundenlasers(Femto-Laser) in der Kataraktchirurgie nicht zu einem zusätzlichen Verlust von Endothelzellen führt und die Methode daher gerade für Patienten mit Cornea guttata und vergleichbaren Hornhautdystrophien ein schonendes, wahrscheinlich Komplikationen vermeidendes Verfahren ist.

Veröffentlicht: 10.12.2014 
Letzte Änderung: 02.06.2017
Grauer Star lasern – Augenklinik Bochum