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Intraokularlinse

Die Implantation einer Intraokularlinse ist der entscheidende Schritt bei einer Kataraktoperation

Die Implantation einer IntraokularlinseIntrakularlinse (IOL) ist der entscheidende Schritt bei einer Kataraktoperation oder bei einer Linsenchirurgie aus primär refraktiven Gründen. Von der richtigen Auswahl, von der Entscheidung für das individuell am besten geeigneten Modell einer Intraokularlinse hängt der postoperative Sehkomfort und die Sehschärfe ab - und beides soll über viele Jahre, vielleicht gar bis zum "selig Ende" so hoch wie möglich sein. Im Gespräch mit dem Augenarzt wird der Patient deutlich machen, worauf es ihm besonders ankommt - ob er noch berufstätig ist und lange Zeit vor dem Computer sitzt, ob er oder sie viel und vielleicht auch nachts mit dem Auto unterwegs ist oder ob es vor allem auf scharfes Sehen im Nahbereich ankommt, ob also Intraokularlinsen sinnvoll sind, die teilweise auf die Nähe fixieren. Der Augenarzt wird alle notwendigen Untersuchungen vornehmen und vor allem die Brechkraft sowie die anatomischen Verhältnisse im Auge exakt ausmessen, so dass er eine Empfehlung für den geeigneten Typ von Intraokularlinse abgeben kann.

Der gebräuchlichste Typ auf der in den letzten Jahren immer breiter gewordenen Produktpalette für Intraokularlinsen sind sogenannte Monofokallinsen. Bei diesen Intraokularlinsen ist die Optik so gestaltet, dass auf eine einzige Distanz fokussiert wird - auf die Ferne. Mit monofokalen Intraokularlinsen können Patienten (wenn alles wie erwartet verläuft) auf die Ferne scharf und deutlich sehen; diese Intraokularlinsen ermöglichen eine gute, meist sogar optimale Sehschärfe beim Autofahren, beim Fernsehen, beim Spaziergang und beim Sport. Auf die Nähe fokussieren monofokale Intraokularlinsen nicht - zum Lesen und bei der Arbeit am Computer wird ein Patient mit Monofokallinse eine leichte Nahbrille aufsetzen. Monofokale (und auch andere) Intraokularlinsen sind meist mit einem Filter versehen. Viele Modelle blocken das für die Netzhaut und vor allem für die Makula potentiell schädliche UV-Licht, einige Intraokularlinsen verfügen über ein Blaufilter, sehen also etwas gelblich aus: nach einigen, allerdings nicht durchgehend akzeptieren Studien kann auch das energiereiche blaue Licht potentiell der Makula schaden und möglicherweise in der Pathogenese der altersabhängigen Makuladegeneration (AMD) eine Rolle spielen. Auch in diesem Punkt kann das Beratungsgespräch mit dem Augenarzt Klarheit bringen, ob eine Intraokularlinse mit Blaulichtfilter oder lediglich mit UV-Filter empfehlenswert ist.

Für Patienten, die so weit wie möglich postoperativ ohne eine Brille auskommen möchten, bietet sich eine Intraokularlinse mit multifokaler Optik an. Es gibt unterschiedliche optische Prinzipien für Multifokallinsen: Kunstlinsen mit sogenannter diffraktiver und solche mit refraktiver Optik. Näheres ist unter dem Stichwort Multifokallinsen geschildert.

Die meisten multifokalen Intraokularlinsen sollen gutes Sehen für die Ferne und für die Nähe ermöglichen, oft bedarf es zu optimalen Nutzung das Ersteigen einer gewissen Lernkurve durch den Patienten. Was eine multifokale Intraokularlinse nicht so gut abdeckt, ist der Mittelbreich - Gegenstände und Objekte in 60 oder 80 Zentimeter Abstand. Dies ist genau die Distanz, die wir vor dem PC einnehmen. Inzwischen hat man Intraokularlinsen mit trifokaler Optik entwickelt, die auch diese Lücke füllen sollen. Es bedarf sicher einer Eingewöhnungszeit durch den Patienten, bis man mit den unterschiedlichen Seheindrücken gut zurecht kommt. Für multifokale und trifokale Intraokularlinsen gilt indes ein Grundprinzip der Physik: sie sind in punkto Abbildungsqualität gegenüber der nur aus einer Optik bestehenden Monofokallinse ein Kompromiss - ein Kompromiss, den man sich mit einer verminderten Kontrastwahrnehmung und mit vermehrtem Streulicht erkauft.

Ein vorbestehender Brechkraftfehler, der im Rahmen einer Linsenimplantation gut auskorrigiert werden kann, ist die Hornhautverkrümmung (der Astigmatismus). Bei einem Patienten, der zwei, drei oder mehr Zylinderdioptrien Astigmatismus hat, wird der Augenarzt in den meisten Fällen eine torische Intraokularlinse empfehlen. Die torische Intraokularlinse verfügt über eine Achse, in der ihre Brechkraft am ausgeprägtesten ist. Sie wird so ausgesucht und implantiert, dass diese Achse der Intraokularlinse jener des individuellen Astigmatismus entspricht. Mit einer adäquat implantierten torischen Kunstlinse lässt sich die Hornhautverkrümmung oft besser korrigieren als mit einem Brillenglas - wer eine stärkere Hornhautverkrümmung hat und jahrelang Brillenträger war, weiß um die möglichen Verzerrungen und Missempfindungen, die ein solches Brillenglas verursachen kann. Die torische Intraokularlinse dagegen kann den Astigmatismus in aller Regel ohne solche Sehstörungen neutralisieren.

Erwähnt werden sollte noch ein weiterer Typ von Intraokularlinse, bei dem mit dem Moment des OP-Endes noch keineswegs das letzte Wort zum Thema Brechkraft gesprochen ist. Die sogenannte light adjustable lens (LAL) ist eine Intraokularlinse, deren Krümmung noch nach Implantation veränderbar ist. Sollte festgestellt werden, dass noch ein Rest-Brechkraftfehler vorliegt und der Patient diesen entfernt haben möchte, kann die lichtsensitive Oberfläche dieser Intraokularlinse in einem bestimmten Sektor mit UV-Licht kurzzeitig bestrahlt werden, so dass es zu einer leichten Änderung der Krümmung und damit der Brechkraft der Intraokularlinse kommt. Es ist ein weiterer Beitrag zu ungeahnten Präzision moderner Intraokularlinsen, die Ihnen Ihre Augenklinik Bochum bieten kann.