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Kamra - Inlay

Ein Kamra-Inlay ist ein hauchdünnes Scheibchen aus Kunststoff

Ab Mitte Vierzig wird der Mensch altersweitsichtig. Das liegt daran, dass die Linse im Auge ihre Flexibilität verliert, um das Auge auf Gegenstände in der Nähe exakt fokussieren zu können - also zum Beispiel auf die tägliche Zeitung. Diese Alterweitsichtigkeit (Presbyopie) nimmt mit steigendem Lebensalter zu, so dass im Abstand von einigen Jahren neue, stärkere Lesebrillen benötigt werden.

Die refraktive Chirurgie, mit der man Brechkraftfehler auf operativem Wege auszugleichen versucht, strebt danach, auch die Altersweitsichtigkeit zu therapieren. Der Bedarf an einer solchen Methode ist hoch: viele im Berufsleben stehende und/oder sportlich und gesellschaftliche hochaktive "Mittvierziger" sowie ältere Jahrgänge möchten unabhängig von Lesebrille oder Bifokalbrille sein - und auch Kontaktlinsen gegen die Altersweitsichtigkeit sind nicht jedermanns/jederfrau Sache. Allerdings ist es bei der Presbyopie nicht so einfach wie bei einer Kurz- oder Weitsichtigkeit: bei diesen beiden liegt permanent, rund um die Uhr, ein stabiles Defizit der Brechkraft vor; ein minus 5 Dioptrien kurzsichtiges Auge ist morgens, mittags und abends minus 5 Dioptrien kurzsichtig. Die Altersweitsichtigkeit hingegen ist nicht immer gleich: bei einem frischen und ausgeruhten 49jährigen kann die Linse unter guten Lichtverhältnissen noch so weit akkommodieren, dass auch Kleingedrucktes gut zu lesen ist - abends, ermüdet und im Dämmerlicht versagt eine Linse bei dem gleichen Patienten, der vielleicht eine Presbyopie von +1,5 Dioptrien hat, ihren Dienst - dann geht es nicht mehr ohne die oft ungeliebte Lesebrille.

Prof. Dr. Burkhard DickVerschiedene refraktive Operationsmethoden sind gegen Presbyopie entwickelt worden, nicht alle haben die Hoffnungen erfüllt. Eine Option der Augenkorrektur ist beispielsweise die Monovision. Das bedeutet, dass ein Auge für das Sehen auf die Ferne und eines für die Nahdistanz eingestellt wird. So kann man beispielsweise bei einem Auge operativ eine leichte Kurzsichtigkeit induzieren. Dieses Auge wird gut auf die kurzen Distanzen sehen können, das andere (das dominante) Auge wird man für die Weitsicht bestmöglich korrigieren, operativ oder mit Kontaktlinse. Manche Patienten sind mit Monovision zufrieden, bei anderen klappt es hingegen nicht.

Eine Operationsmethode, von der hohe Zufriedenheitsraten durch die Patienten dokumentiert sind, ist das Kamra-Inlay. Hierbei wird die Tiefenschärfe des altersweitsichtigen Auges mit einem seit langem bekannten physikalischen Prinzip unterstützt wird: dem der kleinen Blende (small aperture) - ein Prinzip, das Fotografen vertraut war in einem Zeitalter, als die Belichtungswerte noch von Hand eingestellt werden mussten, lange vor der Erfindung heutiger vollautomatischer Digitalkameras. Der Effekt einer solchen kleinen Blende bedeutet, dass in der Nähe schärfer gesehen wird als zuvor und dass das Sehen auf die Ferne, auf größere Distanzen, von dem Hilfsmittel unbeeinträchtigt bleibt.

Ein Kamra-Inlay ist ein hauchdünnes Scheibchen aus Kunststoff. Das Kamra-Inlay ist nur 0,005 mm dick - "hauchdünn" wäre also noch eine Übertreibung - und hat einen Durchmesser von insgesamt 3,8 mm; die Blende - sprich die Pupillengröße - nach Einsetzen dieses zarten Implantats ist 1,6 mm groß. Das Kamra sieht denn auch aus wie eine künstliche Pupille mit einem dunklen Ring und einer klaren Öffnung im Zentrum. Diese dunkle Außenzone ist indessen sehr fein gelöchert: in ihr liegen mehr als 8.000 mit einem Laser gestanzte Öffnungen vor, die einen normalen Nährstoffaustausch innerhalb der verschiedenen Gewebeschichten der Hornhaut ermöglichen sollen.

Denn in diese Hornhaut kommt das kleine Implantat. Mit dem Femtosekundenlaser wird unter lokaler Anästhesie in die Hornhaut eine Tasche geschnitten und zwar in rund 200 Mikrometer Tiefe - damit liegt genug Sicherheitsabstand nach vorne wie nach hinten vor. Das Kamra-Implantat wird dann vorsichtig in diese Tasche eingeschoben und so zentriert, dass es eine neue, zweite Pupille in Ergänzung zur echten, von der Iris konfigurierten Pupille bildet. Der zarte, vom Femtosekundenlaser angelegte Schnitt verschließt sich anschließend von selbst. Der ganze Eingriff dauert kaum 10 Minuten. Der Patient gewöhnt sich in aller Regel sehr schnell an das Sehen mit dem Kamra. In den nächsten Wochen sind Augentropfen zur Unterdrückung einer Entzündungsreaktion einzuträufeln.

Weltweit sind bislang, wie Literaturangaben andeuten, mehr als 20.000 Kamra-Inlays implantiert worden. In den meisten Studien wird von einer hohen Patientenzufriedenheit, von der Fähigkeit kleinere Zeilen als ohne Brille lesen zu können und von erhöhter Lesegeschwindigkeit berichtet. Ein Kamra-Inlay kann auch implantiert werden, wenn der Patient früher eine Lasik gegen eine andere Fehlsichtigkeit hinter sich hatte und inzwischen altersweitsichtig geworden ist. Auch bei Patienten, die an der Linse operiert sind und eine IOL tragen, ist ein Kamra einsetzbar.

Eine nach dem Kamra-Prinzip wirkende Methode ist die Implantation einer künstlichen Linse, einer Intraokularlinse (IOL), mit einer kleinen Blendöffnung. Diese Option kommt vor allem bei Patienten in Frage, die zur Altersweitsichtigkeit auch noch Ansätze von Grauem Star haben und bei denen ein linsenchirurgischer Eingriff ohnehin früher oder später notwendig wird.