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Der Kapselsack umhüllt die Augenlinse und fungiert als Aufhängeapparat

Bei einer Kataraktoperation verbleibt dieser Aufhängeapparat im Auge

Bei der Operation des Grauen Stars, der Kataraktoperation, geht es darum, die getrübte Linse des Auges durch eine Kunstlinse zu ersetzen und dem Patienten wieder ein gutes, möglichst sogar ein optimales Sehvermögen zurück zu geben. Es handelt sich dabei um eine der ältesten Operationen der Medizingeschichte. Schon im antiken Ägypten versuchten Heilkundige, die Katarakt zu heilen - auf eine Methode, die uns heute grob vorkommt: die Linse wurde mit einem Instrument aus ihrer Verankerung gehebelt und damit praktisch im Glaskörper, der Füllung des Auges, versenkt. Den Star "zu stechen" blieb über Jahrhunderte der einzige Weg, bis um 1750 der französische Arzt Jacques Daviel die Linse aus dem Auge entfernte und einem neuen Ansatz Bahn brach. Bald lernte man, die Funktion der Linse durch dicke (Plus-)Brillengläser auszugleichen - die sogenannte Starbrille, die heute im Zeitalter der Intraokularlinsen praktisch ausgestorben ist.

Erst später erkannten die Anatomen, dass die Linse kein homogenes Mini-Organ ist, sondern aus verschiedenen Bestandteilen besteht und eine klare und recht stabile Hülle hat: den KapselsackKapselsack verbleibt bei der Kataraktoperation im Auge. Es ist diese "Verpackung" der eigentlichen Linse, die bei der Kataraktoperation im Zentrum der Bemühungen des Augenchirurgen steht - denn den Kapselsack so schonend wie möglich zu behandeln, ist für den Erfolg der Operation und damit für das postoperative Sehvermögen von entscheidender Bedeutung.

Anders als bei früheren Operationstechniken bleibt der Kapselsack bei einer modernen Kataraktoperation im Auge. Der Kapselsack wird von den Zonulafasern, dem Aufhängeapparat der Linse, gehalten und auch diese Fasern werden tunlichst an Ort und Stelle belassen. Die Eröffnung des Kapselsackes stellt den eigentlichen Beginn der Kataraktoperation dar, nachdem der Operateur mit einem feinen Instrument am Hornhautrand in das Augeninnere eingegangen ist. Diese Manipulation am Kapselsack erfolgt mit einer dünnen abgebogenen Nadelspitze oder einer Pinzette und erfordert eine extrem sichere und ruhige Hand des Operateurs - ohne die man für den Beruf des Augenchirurgen übrigens völlig ungeeignet ist. Die kreisrunde Eröffnung des Kapselsacks nennt man eine Kapsulorhexis.

Im Zeitalter des Augenlaserns wird dieser Schritt von dem Femtosekundenlaser übernommen. Er schneidet in Bruchteilen von Sekunden - und natürlich völlig schmerzlos für den Patienten - ein kreisrundes Stückchen des Kapselsacks aus, das aus dem Auge entfernt wird. Dank des Lasers ist diese Öffnung des Kapselsacks, die Kapsulotomie, präziser und gleichmäßiger als es einem Operateur manuell möglich ist. Durch dieses runde Loch des Kapselsacks wird zunächst die eigentliche Linse entfernt, nachdem sie vom Femtosekundenlaser zerlegt oder, bei der herkömmlichen Operation, durch Ultraschall zertrümmert ist.

Ist die Linse entfernt, kommt auf den Kapselsack eine neue Aufgabe zu: er wird zur Heimstatt der Intraokularlinse. Diese Kunstlinse wird vom Hersteller zusammengerollt geliefert, durch eine kaum zwei Millimeter große Öffnung ins Auge eingebracht und dann vom Operateur in den Kapselsack positioniert, wo sich die Kunstlinse selbst entfaltet. Eine kleine Korrektur des Sitzes - schon ist die Kunstlinse an ihrer Position im Kapselsack, wo sie - wenn alles gut geht - für den Rest des Lebens zuverlässig verbleibt. Ganz wichtig ist die präzise Eröffnung und schonende Behandlung des Kapselsacks während des Eingriffs bei jenen Patienten, bei denen ein exakter Sitz der Intraokularlinse besonders wichtig ist wie zum Beispiel bei Implantation einer Multifokallinse oder einer torischen Linse zum Ausgleich einer vorbestehenden Hornhautverkrümmung.

Der Operateur wird in den meisten Fällen Sorge tragen, dass die hintere Begrenzung des Kapselsacks intakt bleibt (von Ausnahmesituationen abgesehen). Damit ist die Integrität der Grenze zwischen der Linse und dem Glaskörper gewährleistet, welche man anzustreben bemüht ist, um einer Netzhautabhebung vorzubeugen, die früher zu den häufigeren Komplikationen nach einer Kataraktoperation gehört und nach manchen Statistiken auch heute noch etwas häufiger zu sein scheint bei Menschen, die eine Operation des Grauen Stars hinter sich haben, als bei jenen, die nicht an der Augenlinse operiert wurden.