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Linsenimplantation

Die Linsenimplantation, also das Einsetzen einer Kunstlinse im Auge, ist eine Innovation aus dem 20. Jahrhundert

Linsenchirurgie ist einer der ältesten Eingriffe am menschlichen Auge: schon im antiken Ägypten wurden Patienten mit Linsentrübung (Grauem Star) operiert - wie erfolgreich aus heutiger Sicht, sei dahin gestellt. Die LinsenimplantationLinsenimplantation - Einsetzen einer Kunstlinse im Auge, also das Einsetzen einer Kunstlinse, ist eine Innovation aus dem 20. Jahrhundert und wurde - wie in der Medizingeschichte nicht so ganz selten - von einem mutigen Pionier gegen viele Widerstände durchgesetzt. Der englische Augenarzt Harold Ridley behandelte während des Zweiten Weltkrieges Piloten der Royal Air Force, die Splitterverletzungen von zerberstenden Kanzeln ihrer Flugzeuge (wie der berühmten Spitfire) erlitten hatten. Er stellte zu seiner Überraschung fest, dass diese Splitter - diese Fremdkörper im Auge - keine Immunreaktion auslösten. Also, das folgerte Ridley, muss es möglich sein, eine Kunstlinse aus Plexiglas oder einem ähnlichen Material zu konzipieren, die man einem Kataraktpatienten anstelle der natürlichen und getrübten Linse implantieren könnte. Die Geburtsstunde der modernen Linsenchirurgie kam 1949, als Ridley die ersten Kunstlinsen einsetzte - im Vergleich neben heutigen, beinahe hauchdünnen und optisch ausgefeilten Intraokularlinsen (IOL) wirkte Ridleys Kunstlinse wie ein alter Computer von Wandschrankformat neben einem modernen Laptop. Es dauerte viele Jahre, bis sich das Konzept der Linsenimplantation dank neuer Materialien, besserer OP-Techniken und anderer Innovationen durchsetzte und die moderne Linsenchirurgie etabliert war.

Heute ist die Linsenchirurgie eine der effektivsten Maßnahmen in der modernen Augenheilkunde. Linsenchirurgie und Linsenimplantation sind dabei indes keineswegs nur auf die Therapie des Grauen Stars beschränkt. Moderne Linsenchirurgie, so heißt ein weit verbreitetes Credo, ist immer auch refraktive Chirurgie - was bedeuten soll: wann immer eine Kunstlinse implantiert wird, geschieht dies mit dem Vorsatz, dem Patienten postoperativ ein optimales Sehvermögen mit möglichst wenig Notwendigkeit, noch eine Brille tragen zu müssen, zu verschaffen.

Zahlreiche Patienten nehmen heute die Optionen der modernen Linsenchirurgie wahr, ohne dass überhaupt ein Grauer Star bei Ihnen vorliegt - die Linsenimplantation erfolgt dann ausschließlich mit dem Ziel, einen Brechkraftfehler des Auges auszugleichen. Auf welche Methode der Linsenchirurgie man dabei zurück greifen wird, hängt von der Ausprägung dieser Einschränkung der Sehkraft ab - davon, wie viele Dioptrien das Auge kurz- oder weitsichtig ist.

Eine solche Intervention der modernen Linsenchirurgie ist der Refraktive Linsenaustausch. Hierbei kommt es zu einer Linsenimplantation bei völlig (oder weitgehend) ungetrübter natürlicher Linse des Patienten - die Indikation ist eine hohe Weitsichtigkeit (zum Beispiel +4 Dioptrien oder mehr) und vor allem eine hohe Kurzsichtigkeit (von ca. -9 oder -10 Dioptrien oder mehr, was jenseits der Effektivität der Lasik, einem Lasereingriff an der Hornhaut, liegt). Wie bei einer normalen Kataraktoperation wird minimal-invasiv operiert, mit einem Schnitt von nur 2 mm oder weniger. Die eigene Linse wird entfernt, der Kapselsack bleibt erhalten und in diesen wird die Intraokularlinse implantiert. Wie bei anderen Eingriffen der Linsenchirurgie wird die Brechkraft des Auges vor dem Eingriff hochpräzise mit einem Gerät unter der Bezeichnung IOL Master ausgemessen - so kann gewährleistet werden, dass eine Linsenimplantation mit einer Kunstlinse exakt jener Stärke erfolgt, die für die visuellen Anforderungen des individuellen Patienten adäquat ist und beste Aussichten auf "Brillenfreiheit" bietet. Der Refraktive Linsenaustausch (RLE) ist eine Option der Linsenchirurgie, die nicht zum Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung gehört. In diesen Fällen wird daher eine Abrechnung nach der amtlichen Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) vereinbart.

In Abhängigkeit von der Sehkraft des Patienten und seinem Brechkraftfehler steht mit der sogenannten phaken Linsenimplantation ein weiteres hochmodernes Verfahren der Linsenchirurgie zur Verfügung. Die Besonderheit hierbei: die Linsenimplantation wird vorgenommen, ohne dass die natürliche Linse entfernt wird. Die Kunstlinse wird je nach Typ entweder in die Vorderkammer (vor die natürliche Linse) oder in die Hinterkammer (hinter die natürliche Linse) implantiert. Die bei dieser Linsenimplantation eingesetzten Kunstlinsen-Modelle heißen Artisan oder Artiflex (Vorderkammer) beziehungsweise ICL (Hinterkammer). Auch bei dieser Linsenimplantation sind die Indikationen höhere Kurz- oder Weitsichtigkeiten, die mit einem Lasereingriff an der Hornhaut wie der häufig vorgenommenen Lasik nicht so erfolgversprechend behoben werden können. Eine weitere Fehlsichtigkeit, die mit dieser Linsenchirurgie behandelt werden kann, ist eine höhergradige Hornhautverkrümmung. Bei diesen Patienten wird eine sogenannte torische Kunstlinse für die Linsenimplantation benutzt. Zu den möglichen Nachteilen der phaken IOL gehört eine erhöhte Blendungsempfindlichkeit - vor allem bei weiten Pupillen - und die Wahrnehmung von Halos (Lichthöfen) um Lichtquellen. Ein Vorzug dieser Art der Linsenchirurgie: sie ist reversibel. Falls der Patient mit dem Seheindruck als Folge einer phaken Linsenimplantation partout nicht zurecht kommt, kann die Kunstlinse auch wieder entfernt werden - was in der Praxis allerdings eher selten passiert.