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Multifokallinsen

Multifokallinsen haben sich in der modernen Augenchirurgie erfolgreich etabliert

Die allermeisten Patienten mit einer Katarakt, also einer Trübung der Augenlinse, gehören der "reiferen Jugend" an, haben also ihren 60. und oft auch ihren 70. Geburtstag schon hinter sich. In dieser Altersgruppe hat man - selbst wenn kein Grauer Star vorläge - ohnehin ein Problem mit der Linse. Sie ist ab etwa dem 40. bis 45. Lebensjahr nicht mehr so flexibel wie einst und kann sich nicht mehr auf die Nähe einstellen. Lediglich Kurzsichtige sind in einer etwas glücklicheren Position, sie können meist nach Abnehmen der (Fern-)Brille noch gut lesen. Alle anderen benötigen wegen dieser Altersweitsichtigkeit (Presbyopie) eine Lesebrille oder, wenn bereits eine Fehlsichtigkeit vorliegt, eine Gleitsichtbrille.

Deren Prinzip, dem Auge unterschiedliche Fixationspunkte anzubieten, machen sich auch Multifokallinsen zu Nutze, die heute eine wichtige Rolle in der Versorgung von Patienten spielen, die sich der Linsenchirurgie unterziehen - sei es primär wegen eines Grauen Stars, sei es dass ein Linsenaustausch wegen einer hohen Fehlsichtigkeit gewünscht wird. Es werden von der Optik her zwei Typen von Multifokallinsen unterschieden: die Multifokallinse mit refraktiver Optik und die Multifokallinse mit diffraktiver Optik. Ohne allzu sehr ins Detail der Physik zu gehen: eine refraktive Multifokallinse bietet zwei unterschiedliche Brennpunkte, da sie über zwei sektorenförmige oder zwei in konzentrischen Ringsegmenten angebotene optische Zonen verfügt. Eine diffraktive Multifokallinse hingegen weist ungefähr 30 konzentrische Ringe auf, die ein scharfes Sehen auf 2 oder 3 Brennpunkte unterschiedlicher Entfernung ermöglichen.

Es scheint so zu sein, dass diffraktive Multifokallinsen wegen der optischen Qualität etwas beliebter bei den Patienten sind. Diffraktive Muktifokallinsen sind in ihrer Wirkung von der Pupillenweite unabhängig, mit ihnen kann nach Literturangaben eine Brillenfreite für 80% und mehr der Patienten erreicht werden. Egal zu welchem Typ von Multifokallinse geschritten wird, eine gewisse Eingewöhnungszeit ist unumgänglich. Multifokallinsen bieten dem Patienten vom Prinzip her (mindestens) zwei unterschiedliche Bilder an und das unsere Seheindrücke verarbeitende Gehirn braucht - etwas simpel formuliert - etwas, bis es gelernt hat, mit diesem Angebot umzugehen und sich das für den momentanen Bedarf notwendige Bild zu entscheiden. Beim Vorab-Gespräch mit dem Augenarzt werden die Weichen zum passenden Typ von Multifokallinse gestellt: so werden beispielsweise Menschen, die viel lesen oder viel Naharbeit verrichten, am zufriedensten mit einer Multifokallinse sein, die besonders nahbetont wirkt.

Multifokallinsen haben den gleichen ultimativen Vorteil wie beinahe die gesamte auf eine Korrektur von Brechkraftfehlern zielende Linsenchirurgie: im Vergleich etwa zu den meisten refraktiven Eingriffen an der Hornhaut sind sie reversibel. Wenn tatsächlich ein Patient mit einer Multifokallinse nicht zurecht kommt, zum Beispiel aufgrund optischer Phänomene, ist es möglich die Multifokallinse wieder zu explantieren und statt dessen eine Monofokallinse einzusetzen, die dann für das Nahsehen durch eine leichte Brille ergänzt wird.

Die Operation selbst unterscheidet sich für den Patienten nicht, egal ob eine Multifokallinse oder eine Monofokallinse implantiert wird. Der Eingriff wird in lokaler Betäubung vorgenommen, die Inzision ist heutzutage minimal: 2 Millimeter oder weniger breit. An einigen hochspezialisierten Zentren wie der Augenklinik am Universitätsklinikum/Knappschaftskrankenhaus Bochum kann der hochinnovative Femtosekundenlaser jene Schritte mit ungeahnter Präzision übernehmen, die sonst der Operateur manuell ausführt. Die Linsenkapsel wird vom Femtosekundenlaser eröffnet, die Linse selbst fragmentiert. Dadurch braucht bei einer Kataraktoperation mit dem Femtosekundenlaser nicht so viel Ultraschallenergie im Auge zur Anwendung kommen wie bei der herkömmlichen Operation, der Standard-Phakoemulsifikation - was schonender für das Auge und vor allem für die sensible Innenschicht der Hornhaut, das sogenannte Endothel, ist. Die beispiellose Exaktheit der vom Femtosekundenlaser ausgeführten Schritte gelten als beste Voraussetzung für das Seherlebnis mit einem anspruchsvollen optischen Instrument wie einer Multifokallinse.

Eine Alternative zu den hier geschilderten multifokalen Intraokularlinsen, die verschiedentlich angeboten werden, sind sogenannte akkommodative Intraokularlinsen. Die Akkommodation, die Fähigkeit der Augenlinse, auf unterschiedliche Entfernungen scharf zu stellen, ist das was aufgrund eines Mangels an Flexibilität im Aufhängeapparat der Augenlinse im Zuge der Altersweitsichtigkeit verloren geht. Dieser Typ von Kunstlinse soll der Theorie nach eine mäßige Bewegung in seiner Position im Auge vollführen, fast wie bei der natürlichen Akkommodation. Die meisten Erfahrungen mit den unterschiedlichen als akkommodativ bezeichneten Linsentypen scheinen indes zur Zurückhaltung zu mahnen - keine hat sich in dem Maße etablieren können wie moderne Multifokallinsen.