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Netzhaut

Makuladegeneration im Alter und Netzhautablösung bei Kurzsichtigen - typisch Netzhaut

Beim Sehen spielen alle Teile des Auges eine Rolle, doch von zentraler Bedeutung ist jene hauchdünne Schicht, mit der wir die Lichteindrücke wahrnehmen: die Netzhaut. Die im Lateinischen Retina genannte Schicht kleidet das Innere des Auges aus, liegt auf der Aderhaut (von der die NetzhautNetzhaut mit Blut versorgt wird) und hat engen Kontakt zum Glaskörper, dem geleeartigen Füllmaterial des Auges. Nicht alle Segmente der Netzhaut tragen in gleichem Maße zu unserer optischen Wahrnehmung bei: die Netzhautareale in der Peripherie nehmen jene Eindrücke auf, die eher den Randbereichen unseres Gesichtsfeldes entsprechen - sie verhindern zum Beispiel, das wir gegen einen Türrahmen rennen oder im Gedränge eines Flughafens oder eines Schulhofes mit anderen kollidieren. Ein kleines Areal in der Mitte der Netzhaut hingegen sorgt für die Feinheiten: die Makula, deren deutscher Name "Stelle des Schärfsten Sehens" deutlich macht, dass wir hiermit feine Details erkennen: Buchstaben, Gesichter, das Fernsehbild. Wenn an dieser Stelle Netzhauterkrankungen vorliegen, ist die Sehschärfe oft dramatisch eingeschränkt - was zum Beispiel bei Patienten mit einer Makuladegeneration oder einem Makulaödem (das im Rahmen eines Diabetes mellitus auftreten kann) der Fall ist.

Die Netzhaut ist aus 10 verschiedenen Schichten aufgebaut, von denen einige stützende und ernährende Aufgaben haben, unter denen aber vor allem die Photorezeptoren und die Ganglienzellen für den Sehakt unersetzlich sind. Das menschliche Auge verfügt über rund 130 Millionen Photorezeptoren, die in Zapfen und Stäbchen unterteilt werden. Die Zapfen haben ihre Stärke in der Farbwahrnehmung, die Stäbchen sind hingegen primär für das Sehen in der Dunkelheit zuständig. Die Ganglienzellschicht der Netzhaut ist für die Weiterleitung der Seheindrücke entscheidend. Diese Zellen haben Fortsätze, die sogenannten Axone. All diese Axone laufen im Sehnervenkopf (Papille) zusammen, der wenige Millimeter neben der Makula liegt - an dieser einen Stelle nimmt die Netzhaut kein Licht wahr: es ist der sogenannte Blinde Fleck in unserem Sehfeld, den wir unter normalen Umständen nicht bemerken, da wir zwei Augen haben und die Netzhaut des einen Auges den Blinden Fleck des anderen ausgleicht. Im Sehnerven gebündelt, transportieren die Axone die Bilder, die wir sehen, dorthin, wo wir das Gesehene verarbeiten: im Gehirn.
Übrigens: um einen Blick auf die einzelnen Schichten Ihrer Netzhaut werfen und beurteilen zu können, ob etwas Krankhaftes vorliegt, muss diese nicht unter ein Mikrokop gelegt werden (was ja auch gar nicht ginge). Moderne Zentren der Augenmedizin wie die Universitätsaugenklinik/Knappschaftskrankenhaus Bochum verfügen über bildgebende High Tech-Methoden wie das OCT, das innerhalb von nur Sekunden Untersuchungszeit ein farbiges Bild, fast eine Art Landschaftsaufnahme Ihrer Netzhaut liefert.

Schön wäre es, wenn die Netzhaut unser Leben lang an ihrem Platz bliebe. Allerdings liegt sie ihrer Unterlage nicht allzu fest auf, so dass es zu einer Netzhautablösung kommen kann. Glücklicherweise erleben die meisten von uns nie eine Netzhautablösung, doch einige Menschen sind mehr gefährdet als andere. Netzhautablösungen sind zum Beispiel bei Kurzsichtigen häufiger als bei Normalsichtigen, sie können als Folge eines Diabetes mellitus oder auch aufgrund einer im frühesten Lebensalter entstandenen Augenerkrankung auftreten: eine Netzhautablösung ist eine mögliche Komplikation der Frühgeborenenretinopathie, einem Komplex von Netzhautveränderungen, der bei zu früh auf die Welt gekommenen Babies auftreten kann, die über längere Zeit im Inkubator höheren Sauerstoffkonzentrationen ausgesetzt waren. Und auch als Folge eines Unfalls, zum Beispiel eines stumpfen Augentraumas, kann es zu einer Netzhautablösung kommen.
Ein frühes Symptom einer Netzhautablösung ist die Wahrnehmung von Blitzen, sogenannte Photopsien. Des weiteren kann der Betroffene einen dunklen Schleier oder Schatten, einen sogenannten "Rußregen" wahrnehmen. Dies sind Anzeichen, die auf eine Netzhautablösung hinweisen - sie sollten unbedingt dazu führen, einen Augenarzt aufzusuchen, auch im Notdienst am Wochenende. Typischerweise wird ein Patient mit Netzhautablösung umgehend in eine Augenklinik eingewiesen. Die Therapie der Netzhautablösung ist chirurgisch. Eine Methode ist das Anlegen eines sogenannten "Buckels" auf der Lederhaut des Auges und das Festschweißen der Netzhaut mit Kälte an diese Eindellung im Auge. Eine andere Methode ist die Vitrektomie, bei der mit mehreren sehr feinen Instrumenten ins Auge eingegangen wird und die Netzhautablösung therapiert wird, indem die Netzhaut mit einem Endolaser auf ihrer Unterlage durch Verschorfung (Koagulation) befestigt wird. Nach der Operation einer Netzhautablösung wird im Allgemeinen körperliche Schonung für mehrere Wochen und Monate empfohlen; vor allem sollen Betroffene nichts Schweres heben.

Ein Patient, der eine Kataraktoperation hinter sich hat, sollte beim Auftreten oben genannter Symptome nicht zögern, seinen Augenarzt aufzusuchen - und sei es nur vorsichtshalber. Nach einigen Statistiken tritt eine Netzhautablösung in einem operierten und mit einer Kunstlinse versorgten Auge geringfügig häufiger auf als bei Augen, die noch ihre natürliche Linse haben.