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Bochum ist mit Laser-OPs Vorreiter beim Grauen Star

Als erste Klinik in Europa setzt das Knappschaftskrankenhaus Langendreer beiOperationen des Grauen Stars einen Femtosekunden-Laser ein. Die Erfahrungen sind bisher„herausragend“.

Bochum ist Vorreiter mit Laser-Ops

Der Westen, 15.01.2012 Bochum ist mit Laser-OPs Vorreiter beim Grauen Star

0,000.000.000.000.001 Sekunden: Dagegen ist ein Wimpernschlag eine Ewigkeit. Als Femtosekunde wird
diese Winzigkeit einer Maßeinheit bezeichnet, die Hunderttausende Patienten große Hoffnung schöpfen
lässt. Das Knappschaftskrankenhaus Langendreer macht in Europa den Anfang: Seit Dezember kommt
bei der Operation des Grauen Stars ein Femtosekunden-Laser zum Einsatz.
Eine halbe Million Euro kostet das in den USA entwickelte und produzierte Gerät. Dass Bochum als
Vorreiter fungiert, ist Prof. Dr. Burkhard Dick zu verdanken. Der Direktor der Universitäts-Augenklinik gilt
bei Katarakt-OPs als internationale Kapazität. Bei der Suche nach einem Standort für die Europa-
Premiere fiel die Wahl der Amerikaner somit auf Langendreer.
Dort ist man ob der Leistungsfähigkeit der neuartigen Technik geradezu euphorisch. Bisher sind über 70
Eingriffe mit dem Femtosekunden-Laser erfolgt. „Die Ergebnisse sind allesamt herausragend. Die
Präzision ist unerreicht. Das ist von Hand nicht zu toppen“, schwärmt Prof. Dick.


Skalpell wird bei der Augen-OP nahzu überflüssig

Die an ein Mikroskop im XXL-Format erinnernde Apparatur macht das Skalpell nahezu überflüssig. Bei
konventionellen Eingriffen wird per Hand geschnitten, um die getrübte Linse mit Ultraschall zu zerstäuben
und abzusaugen. Das übernimmt das Spezialgerät quasi im All-inclusive-Verfahren. Der Infrarot-Laser
entlädt sich im Femtosekunden-Takt auf die Augenkapsel und stanzt ein 5 mm großes Loch um die Linse
aus. „So lässt sich das Gewebe extrem exakt und vor allem schonend schneiden. Schließlich geht die
Wärmeentwicklung gegen Null. Und: Die Linsenkapsel bleibt reißfester als bei herkömmlichen Techniken
und ist danach besser für den Einsatz von Speziallinsen geeignet“, berichtet Prof. Dick. Ein weiterer
Pluspunkt sei der niedrige Druck, mit dem das Auge schonend und ohne Unannehmlichkeiten angesaugt
wird. „Es entstehen keine Wellen auf der Hornhaut.“

Der Linsenkern wird behutsam zerkleinert. Einem Staubsauger ähnlich, werden die winzigen Trümmer
aus dem Auge entfernt. Ein bildgebendes Verfahren macht es möglich, dass kleinste Strukturen des
Sehorgans mikrometergenau dargestellt werden. So wird das Feld für den Einsatz der Kunstlinse und
deren perfekten Sitz bereitet.


Der Eingriff dauert rund acht Minuten
Durchschnittlich sieben bis acht Minuten dauert der Eingriff unter örtlicher Betäubung. „Die meisten
Patienten haben schon kurz nach der OP wieder gute Sicht“, so Prof. Dick, der ausdrücklich betont, dass
das Laser-Verfahren sowohl Privat- als auch Kassenpatienten als Kassenleistung offen steht. „Etwaige
Zusatzzahlungen werden nur bei Sonderwünschen fällig.“
Zwar ist an die Anschaffung eines zweiten Gerätes vorerst nicht gedacht. Angesichts des erfolgreichen
Probelaufs will das Knappschaftskrankenhaus aber die OP-Kapazität erhöhen. Ziel sind jährlich über
4000 Katarakt-Eingriffe. Der Bedarf, weiß man In der Schornau, ist riesig und nachhaltig. Alle Menschen
leiden im fortgeschrittenem Alter unter abnehmender Sehstärke – die einen früher (meist ab 60), die
anderen später. Die neue Technologie, verheißt Prof. Dick, werde die Behandlung dieser Volkskrankheit
entscheidend voranbringen.
Die Entfernung der Linse im menschlichen Auge gilt als der häufigste Eingriff in Deutschland. Jährlich
unterziehen sich 700 000 Menschen einer Operation. Das Knappschaftskrankenhaus Langendreer
verzeichnet jährlich 3800 Katarakt-OPs.
Jürgen Stahl

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