medinfo-siegel Augenarzt Ranking Linsenaustausch im Universitätsklinikum

Femtosekundenlaser in der Augenchirurgie

Welche ethischen Aspekte sind zu berücksichtigen?

Ethische Aspekte beim Femtosekundenlaser

OPHTHALMO-CHIRURGIE 26:77-88 (2014) sprach mit Prof. Dr. med. H. Burkhard Dick über dieses vielschichtige Thema.


OPHTHALMO-CHIRURGIE: Die Femtosekundenlasertechnik ist zwar faszinierend, aber noch nicht völlig ausgereift. Machen wir, wenn wir den Femtosekundenlaser benutzen, nicht Experimente am lebenden Menschen, um nachher der Industrie sagen zu können, was verbessert werden muss?

H. B. Dick: In der Tat nutzen wir noch nicht das komplette Potenzial der Femtosekundenlasertechnik in der Ophthalmochirurgie. Der Einsatz des Femtosekundenlasers ist aber schon lange nicht mehr  experimentell,sondern weit ausgereift. Seit vielen Jahren wird der Femtosekundenlaser bereits bei der Lasik erfolgreich eingesetzt und hat den Einsatz des mechanischen Mikrokeratoms fast komplett verdrängt.
Auch korneale Schnitte beispielsweise zur Kreation einer Hornhauttasche im Rahmen der Presbyopiechirurgie oder arkuate – bogenförmige – Inzisionen zur Astigmatismusreduktion sind mittlerweile Standardverfahren. Die Ergebnisse nach femtosekundenlaser-assistierter Hornhauttransplantation waren eher durchwachsen, was meines Erachtens aber dem Umstand geschuldet war, dass wir die Hornhaut komplett applanieren mussten. Das führte zu deutlichen Faltenbildungen in der Hornhaut und machte damit die Ergebnisse nicht ausreichend reproduzierbar. Hier liegt ein deutliches Verbesserungspotenzial durch die Verfügbarkeit der 3D SD OCT-Erfassung vor, auch in Hinblick auf lamellierende Verfahren. Die Hornhautarchitektonik wird so nicht verändert – beispielsweise durch Andocken des „Personal Interfaces“ an der Sklera, wie das ja beispielsweise bei dem „Liquid Optics Interface“ bereits der Fall ist. Die Femtosekundenlaser unterscheiden sich mitunter in Hinblick auf ihren Anwendungsbereich; so gehe ich davon aus, dass in Zukunft alle Laser eine Vollfragmentation der Linse vornehmen können, wodurch der Einsatz von Ultraschall voraussichtlich eher zur Rarität wird. Zur Weiterentwicklung der hinteren primären Kapsulotomie zur Nachstarprophylaxe oder weiterer neuer Anwendungsbereiche ist ein intensiver Austausch zwischen Operateuren und der Industrie erforderlich. Nach nunmehr fast drei Jahren Erfahrung mit dem Femtosekundenlaser in der Kataraktchirurgie und mehr als sechs Jahren in der Hornhautchirurgie kann ich aber konstatieren, dass die Entwicklung in diesem technologiedominierten Bereich rasant voranschreitet.

OPHTHALMO-CHIRURGIE: Ist es ethisch zu rechtfertigen, von einem Patienten eine Zusatzzahlung zu verlangen, für eine Methode, deren Überlegenheit nach bisherigen Publikationen noch nicht eindeutig feststeht?

H. B. Dick: Nach nunmehr mehr als 2 700 femtosekundenlaser-assistierten Kataraktoperationen sehe ich die Überlegenheit des Femtosekundenlasers besonders beim Einsatz für sehr harte Linsen, bei intumeszenten Linsen, flacher Vorderkammer, Einsatz von Premium-Intraokularlinsen oder beispielsweise bei Augen von Kindern.
Bei einer Standard-Kataraktoperation zeigt sich die Überlegenheit des Femtosekundenlasers weitestgehend in Form einer perfekt dimensionierten und positionierten, individuell ausgerichteten Kapsulotomie und besonders beim Einsatz der arkuaten Inzisionen zur Senkung des Astigmatismus. Besonders interessant in diesem Zusammenhang sind intrastromale Inzisionen, die nach einem Jahr in unserer Untersuchung an mehr als 100 Augen eine verlässliche Astigmatismussenkung von 1 Dioptrie herbeiführten. Bei intrastromaler Inzision im Rahmen der Kataraktoperation entfällt das Infektionsrisiko sowie das Fremdkörpergefühl. …

>> gesamten Artikel als PDF Download als PDF