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Der Laser am Auge - eine Erfolgsgeschichte

Die heutige Medizin ist ohne Lasertechnologie nicht mehr denkbar.

Laser am Auge



Frankfurter Allgemeine Zeitung, Nr. 137 Seite B4, Trends und Techniken für gutes Sehen, Freitag, 15. Juni 2012

In der Augenheilkunde wurde so die Behandlung vom Grünen Star und von zahlreichen Netzhauterkrankungen revolutioniert. Ein neues Verfahren verspricht große Fortschritte für Patienten mit Grauem Star.

Früher waren Augenchirurgen stolz, wenn sie millimetergenau operierten. Heute rechnet man in Mikrometern und in noch kleineren Einheiten. Einen wesentlichen Beitrag hat dazu die Lasertechnologie geleistet. Schon seit fast vierzig Jahren wird der Laser in der Therapie von Krankheiten der Netzhaut angewendet.


Anwendungsfelder
So hat die extrem genaue Applikation von Wärmeenergie vielen Diabetikern mit diabetischer Retinopathie neue Hoffnung auf den Erhalt ihres Sehvermögens gegeben. Schon seit den 1970er Jahren hat man die pathologischen Veränderungen,  die bei der gefürchteten Netzhautkomplikation im Rahmen der Stoffwechselkrankheit Diabetes entstehen, mit dem Laser zu behandeln gelernt. Mit der Koagulation weiter Areale der Netzhaut kann der Krankheitsprozess oft gestoppt oder zumindest aufgehalten werden. So konnte die Zahl der Erblindungen durch diabetische Retinopathie bald nach der Einführung der Laserkoagulation halbiert werden. Auch bei einer anderen Retinopathie, jener der Frühgeborenen, hat die Laserkoagulation die Prognose für diese jüngsten aller Patienten entscheidend verbessert. Und Netzhautlöcher, wie sie kurzsichtige Menschen oft haben und aus denen sich eine Netzhautablösung entwickeln kann, können mit dem Laser schnell, effizient und ambulant „geschweißt“ werden.

Gleich mehrere Anwendungsmöglichkeiten bietet der Laser beim Grünen Star, im Fachjargon Glaukom genannt. Kleine Laserherde in die Iris gesetzt, senken den – häufig beim  Glaukom  - zu hohen Augendruck. Bei Risikopatienten für eine Sonderform, das sogenannte Engwinkelglaukom, greift man prophylaktisch zum Lasereinsatz, um die Zirkulation des Kammerwassers im Auge zu gewährleisten und somit den gefürchteten Glaukomanfall zu verhindern. Vor dem Laserzeitalter erforderte diese Vorsichtsmaßnahme einen kleinen chirurgischen Schnitt in die Iris mit den entsprechen den Operationsrisiken.

Technologische Weiterentwicklung
Eine neue Entwicklung der Laserverfahren ist der Femtosekundenlaser. Seit etwa fünf Jahren nutzt man diese Technologie in der Augenheilkunde bereits für eine andere Indikation: Mit diesem Laser schneidet man jene „flaps“ genannten Lamellen der Hornhaut zurecht, die bei einer Lasik zur Änderung der Brechkraft des Auges moduliert werden. Die Lasik ist ein refraktiver Eingriff und damit in den meisten Fällen ein elektives, auf dem Wunsch des Patienten basierendes Verfahren. Mit der Lasik und anderen refraktiv-chirurgischen Methoden kann eine Kurzsichtigkeit behoben und der Patient damit im Idealfall von der Notwendigkeit des Brille- oder Kontaktlinsentragens befreit werden. Für manche Menschenn ist es ein Lifestyle-Erfordernis, für andere ist das „weg von der Brille“ für Sport oder Beruf wünschenswert, manchmal geradezu unerlässlich. Die amerikanischen  Streitkräfte übernehmen heute meist die Behandlungskosten für ihre kurz-, seltener auch weitsichtigen Angehörigen, die mit Femtosekundenlasik das Ziel „null Dioptrien“ erreichen wollen.

Grauer Star
Erst seit wenigen Monaten wird auch in Deutschland eine neue Operationstechnologie beim Grauen Star, der sogenannten Katarakt, verwendet. Der Graue Star ist eine meist altersbedingte Trübung der Augenlinse, die entfernt und durch eine klare Kunstlinse ersetzt wird. Das neue Verfahren verwendet den Femtosekundenlaser, mit dem die Linse schonend zerkleinert wird. Als erste Klinik in Deutschland setzt die Bochumer Universitäts-Augenklinik eine besonders fortgeschrittene Variante ein, den Catalys-Femtosekundenlaser, der im Silicon Valley eigens für die Operation des Grauen Stars entwickelt wurde. Die Methode ist ein sehr schonender Eingriff, bei dem kaum keine Manipulation am Auge erfolgt, weil der Laser nahezu berührungslos arbeitet.  Der Catalys-Femtosekundenlaser arbeitet mit ultrakurzen Lichtimpulsen, im Bereich von Femtosekunden eben (eine Femtosekunde entspricht 10–15 Sekunden).

Die hohe Energiedichte lässt im Gewebe Tausende kleiner Luftbläschen aus Wasser und Kohlendioxid entstehen, die die betreffende Gewebeschicht sauber und an präzise vorher berechneten Stellen auseinandertrennen. Diese Form des Schneidens erfolgt ohne Trauma und ohne thermische Schädigung von Nachbargeweben. In Bochum sind inzwischen rund 600 Patienten mit dieser Methode operiert worden: die Operationsergebnisse sind positiv, und die Patientenzufriedenheit ist hoch.
Diese Form der Kataraktchirurgie gilt schon allein wegen der hohen Patientenzahlen als eine zukunftsträchtige Innovation. Schon heute ist die Operation des Grauen Stars mit jährlich 700 000 Eingriffen die häufigste chirurgische Intervention in Deutschland. Und die Zahl der Katarakt-Betroffenen wird in den kommenden Jahren aufgrund der Alterung der Bevölkerung weiter steigen, weil fast jeder der über 65-Jährigen betroffen ist, und etwa 50 Prozent die Sehstörung bemerken, wenn sie das 75. Lebensjahr überschritten haben. Wer hohe Anforderungen an sein Sehvermögen stellt und die Wiederherstellung seiner Sehleistung anstrebt, zum Beispiel mittels einer Multifokallinse für scharfes sehen in der Ferne und in der Nähe, wird die präzise, exakt vorher berechenbare Schnittführung des Femtosekundenlasers zu schätzen wissen.
Der momentan gerade erfolgende Siegeszug der Lasertechnologie in der Kataraktchirurgie  wird noch nicht das Ende der Erfolgsgeschichte des Lasers in der Augenheilkunde sein. Der nächste Schritt werden lichtadjustierbare Kunstlinsen sein, die man nach erfolgter Katarakt-Operation im Auge mit einem Laser so exakt in ihrer Geometrie ändern kann, dass auch ein betagter Patient nach dieser Feinkorrektur wieder oder erstmals in seinem Leben keine Sehschärfe wie ein Testpilot hat. Wenn vom aktiven Seniorendasein gesprochen wird – die Laseranwendungen am Auge schaffen dafür oft erst die sinnesphysiologische Grundlage.

Professor Dr. med Burkhard Dick,
Direktor der Augenklinik, Unversitätsklinikum,
Knappschaftskrankenhaus Bochum

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