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Mit ungeahnter Präzision

110. Tagung der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft in Berlin: Der Femtosekundenlaser revolutioniert die Kataraktchirurgie

Mit ungeahnter Präzision

Deutsches Ärzteblatt, Jg 109, Heft 44, 2. November2012
Die chirurgischen Instrumente in der Augenheilkunde sind seit jeher ein wenig feiner als in anderen operativen Fächern. In jüngster Zeit indes haben die Miniaturisierung  der Schnittführung  und die Präzisierung beim häufigsten chirurgischen Eingriff der Medizin überhaupt – der Kataraktoperation, der Entfernung der altersbedingt getrübten Linse (grauer Star)  - eine neue Dimension erreicht. Früher waren Ophthalmochirurgen stolz, wenn sie millimetergenau operierten. Neuerdings, betonte Prof. Dr. med. Burkhard Dick, Leiter der Universitätsklinik Bochum, rechne man eher mit Mikrometern – wenn nicht in noch kleineren Einheiten.
Möglich gemacht hat dies eine Technologie, die zunächst in der refraktiven Chirurgie, der operativen Behandlung von Fehlsichtigkeiten mit dem Ziel der Brillenfreiheit, zum Einsatz kam und jetzt in die Kataraktchirurgie Einzug gehalten hat – eine Chirurgie, die pro Jahr in Deutschland etwas 700 000-mal zur Anwendung kommt.
Der Femtosekundenlaser arbeitet  mit ultrakurzen Lichtimpulsen, im Bereich von Femtosekunden eben (eine Femtosekunde entspricht 10,15 Sekunden). Die hohe Energiedichte lässt im Gewebe Tausende kleiner Luftbläschen aus Wasser und Kohlendioxid entstehen, die die betreffende Gewebeschicht sauber und an präzise vorherberechneten Stellen auseinandertrennen, ohne eine thermische Schädigung von Nachbargeweben.

Schnitte von mikroskopischer Genauigkeit
„Die Präzision“, sagte Dick in Berlin, „ist ungeheuer: Ein Rundschnitt, der bislang von Hand erfolgt, ist jetzt mit mikroskopischer Genauigkeit wirklich rund.  Gleichzeitig ist die Methode für den Patienten geradezu angenehm, da ja kaum eine Manipulation am Auge erfolgt, weil der Laser praktisch berührungslos arbeitet. Da die Ultraschallenergie, die bei der Zertrümmerung der Linse eingesetzt wird, dank des Lasers nach unseren bisherigen Erfahrungen nur noch ein Zehntel dessen beträgt, was bei der herkömmlichen Operationsweise benötigt wird, zeigt das Auge schon am OP-Tag kaum Reizerscheinungen mehr.“

Dick verglich die verschiedenen, zurzeit auf dem Markt befindlichen Systeme. Seine Präferenz dabei war der Catalys-Femtosekundenlaser (Vertrieb durch die Firma Polytech), der speziell für die Anforderungen der Kataraktchirurgie entwickelt wurde und dessen Interface (das Verbindungsstück zwischen dem Laser und der Oberfläche des Patientenauges) als Einziges flüssigkeitsgefüllt ist und beim Kontakt die Oberflächenkrümmung des Auges nicht ändert (andere Systeme sind unter anderem LenSx von Alcon, LensAR von Topcon, Victus von Technolas/Bausch & Lomb).

Die Kataraktoperation mit der neuen Technologie erfolgt in zwei Schritten, einem vom Laser durchgeführten und  einem vom Chirurgen manuell vorgenommenen. Ganz besonders wichtig für das Gelingen sind zwei Schnittführungen bei dem Eingriff: zum einen die Eröffnung der Linsenkapsel, die sogenannte Kapsulotomie. Mit einem feinen Instrument eröffnet der Operateur diese natürliche Hülle der Linse, die erhalten bleiben soll: Die Linsenkapsel wird der anschließend implantierten künstlichen Linse, der Intraokularlinse (IOL), Halt geben.
Zum anderen ist es die Zertrümmerung und Absaugung der Linse, die Phakoemulsifikation. Dieser Vorgang geschieht mit einer kleinen Ultraschallsonde, dem Phakotip. Die Ultraschallenergie muss von dem Chjrurgen vorsichtig dosiert werden, um eine Schädigung der sehr sensiblen Rückfläche der Hornhaut, des Endothels, zu verhindern. Bei der neuen Technologie wird die Linsenmkapsel  nicht länger von Hand mit einem spitzen Instrument eröffnet, sondern von den punktgenau gezielten Femtosekundenimpulsen. Auch die Linsenzertrümmerung – trübe Linsen können den manuell arbeitenden Operateur zum Teil vor Probleme stellen – übernimmt der Femtosekundenlaser. Er zerlegt die Linse mit deutlich geringerem Energieaufwand, als dies bislang in der herkömmlichen Phakoemulsifikation geschieht. Ultraschallenergie wird nicht mehr benötigt …

 

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