medinfo-siegel Augenarzt Ranking Linsenaustausch im Universitätsklinikum

Operative Risiken werden minimiert

Kataraktchirurgie mit dem Femtosekundenlaser - Phakoemulsifikation fast ganz ohne "Phako"

Risiken minimiert

Ophthalmologische Nachrichten 06.2013 Sonderteil zum DOC-Kongress


Bochum – Die kurzen Pulse des Femtosekundenlasers können während der Kataraktoperation zu verschiedenen, letztlich über den Operationserfolg entscheidenden Schritten des Eingriffes nutzbar gemacht werden.
Beim Catalys-Lasersystem ist mikrometergenaue Präzision mit hoher Sicherheit kombiniert: Sein Liquid Personal Interface hält die beim Andocken möglichen Augeninnendruckanstiege in Grenzen. Und die deutliche Einsparung an Phakoemulsionsenergie macht die Kataraktoperation, den häufigsten operativen Eingriff der modernen Medizin, noch sicherer.
Die enorme Genauigkeit bei der Applikation des Femtosekundenlasers macht man sich für die Kapsulotomie, Clear-Ckornea-Inzisionen (CCI), eventuelle notwendige relaxierende Inzisionen zur Astigmatismuskorrektur und bei der Linsenfragmentierung zunutze. Die Präzision der Schnittführung ist vor allem bei der Kapsulotomie wichtig, besonders bei der Implantation von torischen und multifokalen Intraokularlinsen (IOL), die nur ein sehr enges „Window of Error“ zulassen. Durch die Zentrierung und exakte Größe der Kapsulotomie, die der Femtosekundenlaser ermöglicht, ist die IOL-Position in hohem Ausmaß vorhersagbar und kontrolliert. Mit dem Catalys-System (OptiMedica, Vertrieb durch Polytech) werden Abweichungen in Höhe von durchschnittlich 27 Mikrometern von dem intendierten Durchmesser der Kapsulotomie berichtet, bei anderen Systemen betragen sie das Mehrfache und bei manueller Kapsulorhexis sind derartige Abweichungen vom Ideal in Millimetern zu bemessen – nicht in Mikrometern. Das Zentrum der Laserkapsulotomien lag im Mittel innerhalb von 77 Mikrometern von der beabsichtigten Zielposition. Für die Durchführung der Kapsulotomie braucht der Femtosekundenlaser etwa 2,5 Sekunden. Die vom Laser geschaffenen Kapsulotomien waren in den bislang vorliegenden Studien biomechanisch stabiler als manuell erzeugte. Zum Einreißen einer mit 6 µJ angelegten Kapsulotomie waren 121 mN notwendig, bei Einsatz von 3µJ waren es 152 mN – bei einer manuellen Kapsulotomie hingegen nur 65 mN.

Flüssigkeitsgefülltes Personal Interface
Eine Besonderheit dieses Systems ist  das Personal Interface. Erste und auch heute noch verwendete Femtosekundenlasersysteme benutzen eine flache applanierende Kontaktlinse als Kontaktpunkt von Lasersystem und Patientenauge. Diese Art der Ankopplung (Docking) ist zuverlässig, kann aber mit kräftigen Anstiegen des Augeninnendruckes (IOD) einhergehen.
Im Tiermodell wurden bei Einsatz zweier in der refraktiven Chirurgie etablierten Geräte IOD-Werte bis zu 134 beziehungsweise 184 mmHg Druckspitzen (je nach Gerät) zwischen 65 und 205 mmHg: die wenigen verfügbaren Daten aus Invivo-Untersuchungen am Menschen scheinen diese Tendenz zu bestätigen. Gerade ältere Patienten mit Komorbiditäten möchte man indes ungern über mehrere Minuten derartigen Druckspitzen aussetzen.

Traditionelle Interface Designs sollen nach Berichten in der Literatur ferner die Gefahr subkonjunktivaler Blutungen, aber auch von Netzhautablösungen und fovealen Blutungen  erhöhen. Derartige Druckbelastungen können mit einem flüssigkeitsgefüllten Personal Interface vermieden werden, wie es Teil des Catalys-Systems ist.  Das flüssigkeitsgefüllte Personal Interface (Liquid Optics Interface, LOI) dockt an der Sklera an und berührt die Hornhaut nicht. Die Optik des Lasersystems wird in dieses LOI eingebracht, wobei überzählige Flüssigkeit (BSS) über Kanäle entweichen kann und somit den IOD nicht erhöht. Das LOI vermeidet darüber hinaus die Faltenbildung an der hinteren Hornhautoberfläche, die nach Einsatz des applanierenden wie auch gebogener Interfaces  beschrieben wurde.
Wir führten die Tonometrie nach Goldmann vor und nach der Operation sowie mit einem modifizierten Schiötz-Tonometer während des Eingriffs an 100 Augen prospektiv durch. Der durchschnittliche IOD in diesem Kollektiv kurz vor Aufbringung des Ansaugrings betrug 15,6 mmHg. Nach Ansaugung stieg der IOD im Mittel um 10,3 mmHg. Unmittelbar nach der Laserbehandlung (mit dem LOI noch am Auge angesaugt) lag der IOD bei 27,6 mmHg, nach der Lösung des LOI sank der Augeninnendruck auf 19,1 mmHg.  Die Gesamtzeit unter Ansaugung betrug im Schnitt 3 Minuten und 45 Sekunden. Eine Stunde nach Ende der laserassistierten Kataraktoperation lag bei den Patienten ein durchschnittlicher IOD von 14,3 mmHg vor.

Phakoemulsifikation (fast) ganz ohne „Phako“
Ein Vorzug der Femtosekundenlaser assimilierten Kataraktchirurgie ist generell, dass der Anteil der Phakoemulsifikation am operativen Geschehen relativiert wird. Dies ergab eine eigene prospektive kontrollierte klinische Studie: Die mittlere effektive Phakoemulsifikationszeit (effective phacoemulsification time, EPT) betrug in der Femtogruppe 0,16 Sekunden (SD: 0,21 sec) im Vergleich zu 4,7 Sekunden in der Phakogruppe (SD: 3,14 sec). Eine Verringerung der eingesetzten Ultraschallenergie kann das Risiko von Kapselkomplikationen und Endothelschädigungen senken. Die für die Linsenfragmentierung benötigte Zeit ist ein entscheidender Faktor bei der Reduzierung dieser Risiken. …

>> gesamten Artikel als PDF Download als PDF