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Spezielle Indikationen

Femtosekundenlaser in der Kataraktchirurgie

Spezielle Indikationen

Ophthalmologische Nachrichten, Ambulante Augen-OP, S.9, Mai 2014

BOCHUM Eine präzise Kapsulotomie, eine zuverlässige Linsenfragmentierung und exakte Schnittführung bei kornealen Inzisionen – der Femtosekundenlaser hat eine neue Dimension von Akkuratesse und Sicherheit in die Kataraktchirurgie eingeführt. Manche der Methode wenig geneigte Kritiker sahen in der neuen Technologie eher ein Premium-Instrument für den anspruchsvollen Premium-Patienten. Jetzt werden indes die Vorzüge der femtosekundenlasergestützten Kataraktchirurgie für besonders problematische Fälle deutlich – und damit für Patienten wie zum Beispiel kleine Kinder oder ältere Bürger mit weit fortgeschrittenen Katarakten, die kaum jene Definition erfüllen, dafür aber umso mehr auf bestmögliche Versorgung angewiesen sind. Für einen zur Linsenoperation anstehenden Patienten war er sehr jung: gerade zehn Jahre alt. Der Junge hatte ein klassisches Marfan-Syndrom, was sich neben den ungewöhnlich langen Extremitäten in einer Ektopia lentis im rechten Auge manifestierte, welche nur einen Visus von 0,2 zuließ. Wir benutzten unseren Catalys-Femtosekundenlaser mit eingebautem 3-D-Spectral-Domain-OCT für eine vordere Kapsulotomie mit einem Durchmesser von 4,1 mm und einer Inzisionstiefe von 1000 μm. Die reine Laserzeit betrug nur 13 Sekunden, die gesamte Andockzeit (in der das Auge des Patienten über das Interface mit dem Lasersystem verbunden ist) weniger als drei Minuten. Nach Absaugen des Linseninhalts wurde die Fixation des IOL-/Kapselsackkomplexes mithilfe eines Cionni-Rings vollzogen. Zu Komplikationen kam es während der zehnwöchigen Nachbeobachtungszeit nicht; bei der abschließenden Untersuchung war das Auge fast emmetrop (+0,25 cyl -1,0/3°) und der Bub erfreute sich jetzt eines Visus von 0,8. Der junge Marfan-Patient ist ein Beispiel dafür, wie sehr die Indikationsbreite des Femtosekundenlasers – wenn der Ausdruck gestattet sei – proliferiert ist. Im unteren Ende des Altersspektrums verfügen wir inzwischen über so viel Erfahrung, dass man bei dieser Off-label-Anwendung von einer sicheren Methode für Kinder mit kongenitaler Katarakt sprechen kann – entsprechendes chirurgisches Geschick vorausgesetzt. Der Eingriff, an dessen Beginn mitunter eine Eröffnung des Auges zum Einsetzen eines Malyugin-Rings zur Pupillenerweiterung steht, lässt sich in aller Regel problemlos durchführen – auch, weil das Catalys-Lasersystem seit etwa einem Jahr ein speziell für enge Lidspalten, wie bei dem kindlichen Auge, konzipiertes Interface mit einem inneren Ansaugringdurchmeser von nur 12 mm bereit hält. Wir haben bislang 22 kindliche Augen mit der Methode operiert. Nennenswerte Komplikationen sind ausgeblieben; aufgrund des schonenden Vorgehens und der perfekten vorderen Kapsulotomie mit auf die vordere Kapsulotomie ausgerichteter hinterer Kapsulotomie werden optimale Verhältnisse für die visuelle Rehabilitation geschaffen. Die vordere Glaskörpergrenzmembran bleibt beispielsweise bei geplanter Bag-in-thelens-Implantation intakt.

Weiße Katarakte (Linsentrübung)

Auch nicht gerade des Chirurgen Lieblingsobjekte sind intumeszente, weiße Katarakte. Bei diesen maturen bis hypermaturen Linsen liegt aufgrund einer Verflüssigung des Cortex und eines mitunter harten Kerns (Morgagni) häufig ein erhöhter intrakapsularer Druck vor. Der schwierigste Teil der Operation ist in diesen Fällen die kontinuierliche curvilineareKapsulorhexis(CCC), traditionellerweise manuell durchgeführt. Und beinahegenauso traditionell – nämlich unerfreulich häufig – ist dann der den Chirurgen wenig begeisternde Anblick der argentinischen Flagge. Denn das Blau-Weiß-Blau (Argentinian Flagsign) eines unkontrollierten Sich-Öffnens einer Trypanblau-gefärbten Kapsel deutet einen spontanen Einriss an, der das weitere Vorgehen deutlich erschwert und der als die häufigste Komplikation bei intumeszenten Katarakten gilt. Bei 25 Patienten mit intumeszenter Katarakt (Durchschnittsalter 69 Jahre) und einem LOCS-III-Grad von 4 und höher wurden Kapsulotomien von 5,0 mm Durchmesser und einem Sicherheitsabstand von 500 μm zur Iris mit dem
Femtosekundenlaser angelegt. ...

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