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Alternativen zur Trifokallinse

Zwei robuste Alternativen zu trifokalen Multifokallinsen - häufig brillenfrei

Trifokallinsen Alternativen

aus Ophthalmo-Chirurgie 29:227 (2017) R. D. Gerste: Sommertagung des AECOS in Prag

Presbyopiekorrektur mit Tiefenschärfe als Alternative zur Trifokallinse

EDOF-Linsen („extended depth of focus“) stellen ein relativ neuartiges Konzept dar, bei dem keine Nahaddition vorliegt, der Fokusbereich aber so in die Länge gezogen ist, dass dem presbyopen Träger einer solchen IOL ein gutes Sehen von der Ferne über den Intermediärbereich bis in die Nähe gegeben werden soll. Der Theorie nach wird das Licht nicht auf drei Brennpunkte wie bei einer Trifokal-IOL verteilt, sondern soll jedem der drei Sehbereiche in gleicher Weise zugeordnet werden, was die von Multifokal-IOL her bekannte Reduzierung der Kontrastwahrnehmung in Grenzen halten soll.

Merita Schojai (Universitätsaugenklinik-Bochum, Grauer Star lasern) stellte erste Ergebnisse einer randomisierten klinischen Studie vor, bei der die Patienten in einer Gruppe beidseits die EROV-Linse Symfony® (AMO) implantiert bekamen; in der anderen Gruppe wurde das dominante Auge mit einer Monofokal-IOL und das nicht-dominante Auge mit einer IC-8 (Acufocus, IOL expert), einer Pinhole- oder Small Aperture-IOL, versorgt.

Dieser Linsentyp arbeitet nach dem Prinzip der Lochblende, die – aus der klassische Fotografie vor Einführung der vollautomatisierten Digitalfotografie bekannt – eine größere Tiefenschärfe bewirkt; die IC-8 hat eine ringförmige, dunkle Maske in ihrer Optik und sieht damit dem Kamra- Inlay, das mit ähnlicher Intention in die Hornhaut eingebracht wird, recht ähnlich. Bislang sind 40 Patienten rekrutiert, von denen Ein-Monats-Ergebnisse vorliegen. Beide IOL erweisen sich bislang als sehr effektiv und von gutem refraktiven Ergebnis; im Schnitt wiesen die mit einer EDOF-Linse versorgten Augen postoperativ eine Brechkraft (sphärisches Äquivalent) von durchschnittlich -0,54 Dioptrien und die mit IC-8 versorgten Augen von -0,65 Dioptrien auf. Beim unkorrigierten Fernvisus schnitten die Augen mit der Pinhole-IOL leicht besser ab (im Schnitt 0,02 logMAR) als die Augen mit der EDOF-Linse (0,08 logMAR), d. h. beide kamen nahezu bei 1,0.

Auf die IC-8 ging Burkhard Dick (Bochum) näher ein. Diese Pinhole-IOL hat einen Durchmesser von 12,5 mm und eine zentrale Apertur von 1,36 mm. Ähnlich wie beim Kamra-Inlay sind in einem undurchsichtigen kreisförmigen Sektor (die „Maske“) 3200 Miniperforationen gesetzt. Die IC-8 habe sich als erfreulich unabhängig von einem vorbestehenden mäßigen Astigmatismus erwiesen. Es hat sich gezeigt, dass korneale Astigmatismen von bis zu 1,25 Zylinderdioptrien keinerlei negativen Effekt auf die postoperative Sehschärfe haben. Die Zielrefraktion auf dem nicht-dominanten Auge, in welches die IC-8 eingesetzt wird, liegt im leicht myopen Bereich (bis -0,75 Dioptrien); die 108 Patienten einer bislang 6 Monate umfassenden Studie hatten im Schnitt auf diesem Auge einen unkorrigierten Fernvisus von 0,8; binokular lag der unkorrigierte Fernvisus bei 1,15 und der unkorrigierte Intermediärvisus bei 0,91. Als zufrieden mit dem Operationsergebnis äußerten sich drei Monate nach dem Eingriff 85 % der Patienten, als unzufrieden 8 %. Exakt genau so hoch wie der Prozentsatz der Zufriedenen war derjenige der Patienten, die nie oder nur noch selten auf eine Brille zurückgreifen mussten.

Eine Sorge, die verschiedentlich nach Einführung der Linse mit der kleinen Apertur geäußert wurde, lautete: Wird man an einem solchen Auge eine vitreoretinale Operation durchführen können oder wäre es ein Eingriff mit einer Sichtqualität wie beim Blick durchs sprichwörtliche Schlüsselloch? Natürlich wird man diese Linse nicht bei einem aktiven retinalen Krankheitsgeschehen implantieren. Doch manchmal ist nach B. Dicks Worten zum OP-Zeitpunkt nicht abzusehen, ob es nicht in naher Zukunft doch zu einer Intervention am Fundus kommen muss. Inzwischen ist es bei Patienten mit IC-8 zu einer Reihe unterschiedlicher Hinterabschnittsinterventionen gekommen; die undurchsichtige Maske stellte dabei kein Hindernis dar. Auch wenn es etwas schwieriger ist als bei einer normalen Monofokal-IOL, war ein Membranpeeling in der Makula ebenso möglich wie eine Pars-plana Vitrektomie bei diabetischer Retinopathie. OC

15.08.2017

Hinweis: Beide Linsentypen werden auf Wunsch bei Grauer Star-OP alternativ zu Standardlinsen oder trifokalen Multifokallinsen eingesetzt. Ähnlich wie die trifokalen Multifokallinsen dienen diese beiden Linsentypen beim Linsenaustausch der zusätzlichen Korrektur der Alterssichtigkeit.
Im Gegensatz zu Trifokallinsen sind beide Linsentypen unempfindlicher. Dies gilt vor allem bei möglichen Blendungen in der Dunkelheit. Die IC-8 empfiehlt sich insbesondere bei irregulären Hornhäuten z.B. bei einem Keratokonus. Durch den Einsatz dieser Linse kommt es in solchen Ausgangssituationen häufiger zu echten Visussteigerungen. Auch nach einer zurückliegenden Lasik können sich die obigen Linsentypen als bessere Alternative bei einer Grauen Star-OP erweisen. Mehr unter Augenlinsen und Linsenaustausch.

>> Download Englisch: Vergleichsstudie Symfony und IC8, AECOS 2017 Prag, Dr. Merita Schojai , PDF Download als PDF

Grauer Star lasern - Augenklinik Bochum