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Retinopathie

Die Retinopathie tritt häufig in Folge von chronischen Erkrankungen wie Diabetes mellitus oder Bluthochdruck auf

Die Netzhaut ist eine besonders diffizil aufgebaute Schicht; obwohl sie nur Bruchteile eines Millimeters dick ist, besteht sie aus zehn unterschiedlichen Zellschichten, unter jene der Photorezeptoren die für das Sehen wichtigste ist. So zart wie die Netzhaut ist, überrascht es nicht, dass sie gegenüber krankmachenden Prozessen anfällig ist - vor allem gegenüber schwerwiegenden, zahlreiche Organe belastenden Allgemeinleiden wie dem Bluthochdruck und der Zuckerkrankheit.

Wenn die Netzhaut bei einer solchen Krankheit mitleidet, sprechen wir von einer RetinopathieRetinopathie - Netzhautablösung in schematischer Darstellung. Eine solche quasi mitgeschädigte Netzhaut zeigt vor allem Veränderungen an ihren Blutgefäßen, also an ihren Arterien und Venen, die zum Beispiel bei einer Hypertonie genau den gleichen Schadensmechanismen ausgesetzt sind wie alle anderen Gefässe des Körpers. Der Augenarzt ist indes im Gegensatz zum Hausarzt oder Internisten in einer glücklichen Lage: er kann die Blutgefässe der Netzhaut in Aktion sehen, ohne dass eine bildgebende Technologie einegsetzt oder gar der Patient einer invasiven Diagnostik ausgesetzt wird. Bei der Untersuchung mit dem Ophthalmoskop kann der Augenarzt sofort erkennen, ob es bei einem bekannten Bluthockdruck Hinweise auf eine Retinopathie gibt: Veränderungen im Verlauf der Gefässe, Ablagerungen von Stoffwechselprodukten der Zellen in der Netzhaut, Einblutungen. Die Retinopathie aufgrund eines Bluthochdrucks kann der Augenarzt nicht behandeln - es ist der Hypertonus, der von den zuständigen Spezialisten (unter möglichst entschlossener Mithilfe des Patienten) wieder in den Normbereich gebracht werden muss.

Die grösste Bevölkerungsgruppe, die sich regelmäßig auf eine Retinopathie untersuchen lassen müssen, sind Diabetiker. Der Diabetes mellitus macht ganz auffallende Veränderungen an der Netzhaut von Diabetikern, die mit dem Ophthalmoskop oder der Fotodokumentation der Netzhaut eindeutig erkennbar sind. Zunächst sind es kleine, Mikroaneurysmen genannte Auffälligkeiten, bald - manchmal aber auch erst nach vielen Jahren - kommen Ablagerungen, sogenannte Exsudate, hinzu. Eine diabetische Retinopathie können sowohl Menschen mit Typ 1- wie mit Typ 2-Diabetes bekommen. Je länger die Zuckerkrankheit besteht, desto grösser ist die Wahrscheinlichkeit, eine diabetische Retinopathie zu haben. Man unterscheidet bei dieser zwei Formen: die leichtere nichtproliferative diabetische Retinopathie und die wesentlich gravierendere proliferative diabetische Retinopathie. Bei dieser kommt es zu Gefässneubildungen, aus denen Blut austreten kann oder die in Richtung Glaskörperraum weiterwachsen und im Endstadium die Netzhaut von ihrer Unterlage abziehen können. Eine nicht-proliferative diabetische Retinopathie wird ab einem bestimmten Schweregrad mit einer Laserbestrahlung der Netzhaut behandelt; bei einer proliferativen diabetischen Retinopathie wird oft ein operativer Eingriff an Glaskörper und Netzhaut, eine Vitrektomie, notwendig.

Die diabetische Retinopathie ist die häufigste Erblindungsursache von Menschen im erwerbstätigen Alter. Angesichts der Zunahme der Zahl von Diabetikern weltweit wird dies wohl auch in Zukunft so bleiben.

Für die Sehschärfe besonders tragisch ist jene Form der Retinopathie, sie sich in der Makula, der Stelle des Schärfsten Sehens in der Netzhautmitte, manifestiert und die daher Makulopathie heisst. Sie betrifft vor allem ältere Menschen und kann, wie auf der entsprechenden Seite dieser Website beschrieben ist, heute glücklicherweise in vielen Fällen mit recht guter Prognose behandelt werden.

Zu einer Retinopathie kann es leider auch schon kommen, kaum dass das Leben richtig begonnen hat. Kinder, die zu früh auf die Welt gekommen sind und für einige Wochen im Inkubator leben, sind gefährdet, durch die Sauerstoffversorgung während der neonatologischen Betreuung eine Schädigung der Netzhaut zu bekommen. Bei dieser Retinopathia prämaturorum genannten Erkrankung entwickelt sich die Netzhaut nicht normal und auch hier kann es wie bei einer diabetischen Retinopathie zu Gefäßneubildungen kommen. Wenn diese Form der Retinopathie indes rechtzeitig erkannt wird - deshalb ist ein augenärztliches Screening von Neugeborenen ein absolutes Muss - kann man mit Medikamenten, einer Laserbehandlung und modernen glaskörperchirurgischen Operationsmethoden die Erblindung dieser Kinder meist verhindern und sie mit einem guten Sehvermögen auf die Reise durch ihr Leben schicken.